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Lebensqualität aus der Sicht darmkrebserkrankter Frauen und Männer

Rekonstruierte Lebens- und Krankengeschichten und ihre Bedeutungen für eine patienten- und patientinnenorientierte Versorgung

 

Projektkennung VfD_08_002032
Laufzeit von 02/2008 bis 07/2011
Webseitehttp://www.ipp.uni-bremen.de/pages/projekte/projektBeschreibung.php?SPRACHE=de&projektId=20
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Welche genderspezifischen Vorstellungen von Lebensqualität haben darmkrebserkrankte Frauen und Männer im Verlauf ihrer Biografie entwickelt?
Welche Rolle spielen diese biografisch entwickelten Vorstellungen von Lebensqualität darnkrebserkrankter Frauen und Männer im Krankheitsverlauf bzw. bei der Bewältigung der Krankheitsverlaufskurve (Corbin/Strauss 2004)?
Wie wird aufgrund der biografisch geprägten Vorstellungen von Lebensqualität die Gesundheitsversorgung von darmkrebserkrankten Frauen und Männern wahrgenommen?
Hintergrund / Ziele Im Vergleich zur steigenden Inzidenz nimmt die Mortalität bei darmkrebserkrankten Frauen und Männern stetig ab (GEKID 2010). Krebserkrankungen des Dickdarms haben zusehends einen chronischen Verlauf, bei dem immer häufiger Fragen nach der Qualität des Überlebens und der Versorgung im Raum stehen. Die Aufgabe der Versorgungsforschung ist es, im Hinblick auf die Forderung nach einer patienten- und zielorientierten Gesundheitsversorgung, Lebensqualität und ihre Determinanten umfassend zu beschreiben und zu erklären (Pfaff 2003; SVR 2000/2001, 2003). Dabei sind hinsichtlich einer Verbesserung der Qualität der Versorgung ebenso geschlechterspezifische Merkmale zu berücksichtigen (Kuhlmann/Kolip 2005). Der Forschungsstand bzw. die Erkenntnisbreite über Lebensqualität von Darmkrebsbetroffenen unter Genderaspekten ist für die Versorgungsforschung aufgrund ihres Rückgriffs auf Erhebungen subjektiver Lebensqualität mittels objektivierender Messverfahren als lückenhaft einzustufen.
Methodik Die empirische Untersuchung basiert auf dem Forschungsansatz der Grounded Theory (Glaser & Strauss 1968). Es wurden zehn narrativ-biografische Interviews (Schütze 1977) mit darmkrebserkrankten Frauen und Männern geführt. Sechs Interviews (drei mit Frauen, drei mit Männern) sind nach der Methodik biografischer Fallrekonstruktionen von Gabriele Rosenthal (1995) ausgewertet worden.
Datenbasis Primärdaten
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 10)
Studiendesign Biografiestudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Eine zentrale, biografisch entwickelte Vorstellung von Lebensqualität beider Geschlechter drückt sich darin aus, inwieweit sie Möglichkeiten und Chancen zur Teilhabe bzw. Partizipation im alltäglichen Leben haben (z. B. Arbeit, Beziehungen). Dabei ist die Genese (also das lebensgeschichtlich entwickelte Gewordensein) dieser Vorstellung, das Erleben partizipativer Handlungsstrategien und die Art und Weise der erzählerischen Präsentation darüber mitunter als genderspezifisch zu bezeichnen. Möglichkeiten zur Partizipation wünschen sich die darmkrebserkrankten Frauen und Männer insbesondere auch in der direkten Interaktion mit Health Professionals. Dieses Interaktionsbedürfnis, das im Rahmen der Bewältigung krankheits- und alltagsbezogener Arbeit (Corbin/Strauss 2004) zu Tage tritt, wurde hier als Versorgungsbeziehung kategorisiert. Dabei zeigen die betroffenen Frauen und Männer ihre subjektiven Ansprüche an partizipative Versorgungsbeziehungen nicht immer klar und deutlich. Dies liegt vor allem darin begründet, dass ihnen von Health Professionals nur selten und gerade am Anfang der direkten Begegnungen Empathie entgegengebracht wird.

Schlussfolgerungen: Lebensqualität aus der Sicht darmkrebserkrankter Frauen und Männer wird hier nicht als ein deterministischer Zustand erklärbar, sondern als ein biografisch, mitunter genderspezifisch und interaktionistisch geprägter Prozess verstehbar. Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung „lebensqualitätsorientierter“ Versorgungskonzepte für darmkrebserkrankte Männer und Frauen beziehen sich insbesondere auf: 1) Verbesserung der Health Professional-Patient/Patientin-Interaktion (Versorgungsbeziehung) durch gendersensible empirische Forschung sowie eine intensivere Auseinandersetzung mit linguistischen und kommunikationstheoretischen Themen und Erkenntnissen der Emotionsforschung, 2) Entwicklung bzw. Stärkung von gendersensiblen Maßnahmen der Tertiärprävention und Gesundheitsförderung, die die psychosozialen Belastungen und Ressourcen (z. B. Teilhabekompetenzen) der Betroffenen berücksichtigen.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 05.02.2013