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Kriterien und Präferenzen in der Priorisierung medizinischer Leistungen

Eine empirische Untersuchung

 

Projektkennung VfD_07_002139
Laufzeit von 04/2007 bis 09/2014
Webseitehttp://www.priorisierung-in-der-medizin.de/index.php?option=com_content&task=view&id=9&Itemid=4&lang=de
Status des Projekts laufend
GesamtprojektFOR655: Priorisierung in der Medizin - Eine theoretische und empirische Analyse unter besonderer Berücksichtigung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Die zentrale Forschungsfrage lautet: "Nach welchen Kriterien könnte/sollte eine Priorisierung medizinischer Leistungen in Deutschland erfolgen und wie ist die relative Wichtigkeit dieser Kritierien?

Nach welchen Kriterien könnte/sollte eine Priorisierung medizinischer Leistungen in der Onkologie erfolgen?

Nach welchen Kriterien könnte/sollte eine Priorisierung von präventiven Leistungen erfolgen und wie ist die relative Wichtigkeit dieser Kritierien?
Hintergrund / Ziele Demographische Veränderungen und medizinische Innovationen führen aufgrund erhöhter Nachfrage bei zugleich begrenzten Ressourcen zu einem zunehmenden Kostendruck im Gesundheitssektor. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Prioritätenbildung bzw. Auswahlentscheidung. Priorisierung ist im Bereich der medizinischen Versorgung ein Verfahren, um die Vor­rangigkeit bestimmter Indikationen, Patienten­gruppen oder Verfahren vor anderen fest­zustellen. Das Ziel des Teilprojektes A1 „Kriterien und Präferenzen in der Priorisierung medizinischer Leistungen: Eine empirische Untersuchung“ ist es, Priorisierung hinsichtlich verschiedener Indikatoren, Verfahren und Personengruppen systematisch zu untersuchen. Im Rahmen der ersten Förderphase (2007-2010) wurde ein breites Spektrum an Priorisierungspräferenzen und zugrunde liegende Kriterien von Priorisierungsentscheidungen im Gesundheitswesen ermittelt. Aufbauend auf den Ergebnissen der qualitativen Untersuchung wurde eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durchgeführt. Es werden in der zweiten Förderphase (2010-2014) drei Untersuchungsschwerpunkte verfolgt: 1) Die Daten der repräsentativen Bevölkerungsbefragung, der ersten Förderphase, werden ausgewertet. Die Ergebnisse sollen zeigen, welche Kriterien von der Allgemeinbevölkerung für eine Priorisierung medizinischer Leistungen akzeptiert werden und welche nicht. Zudem sollen Kriterien, die sich in der Bevölkerungsbefragung als besonders kontrovers erwiesen haben, mittels Fokusgruppen vertiefend untersucht werden. 2) In Kooperation mit Onkologen aus dem Klinikum Bremen Mitte werden Priorisierungsentscheidungen und -kriterien im Bereich der Onkologie genauer erforscht. 3)In einer weiteren Untersuchung werden die Präferenzen hinsichtlich der Verteilung von präventiven Leistungen untersucht.
Methodik 1. Untersuchungsschwerpunkt:
Der erst Untersuchungsschwerpunkt umfasst die Priorisierung hinsichtlich verschiedener Indikatoren, Verfahren und Personengruppen. 45 Personen aus sechs verschiedenen Stakeholdergruppen wurden zu sechs verschiedenen Fragenkomplexen mittels leitfadengestützter Interviews befragt. Der Schwerpunkt des Leitfadens lag auf der Erfassung und Exploration von Wunschvorstellungen. Im Rahmen dieser qualitativen Untersuchung wurde ein breites Spektrum von Priorisierungspräferenzen und zugrunde liegende Kriterien von Priorisierungsentscheidungen im Gesundheitswesen ermittelt. Aufbauend auf den Ergebnissen der qualitativen Untersuchung wurde ein Fragebogen zur Durchführung einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung erstellt.

Die repräsentative Bevölkerungsbefragung wurde mittels einer computergestützten persönlichen Befragung (CAPI) mit zufällig ausgewählten Bürgern und Bürgerinnen aus der gesamten Bundesrepublik Deutschland durchgeführt. Die Erhebung fand im Herbst 2009 statt. Es wurden zehn Themenbereiche in den Fragebogen aufgenommen: 1)Einstellungen zur Krankenversicherung(Solidarität/Knappheit) 2)Finanzierungs- und Beitragsgestaltung der Krankenkassen 3)Bereiche im Gesundheitssystem 4)Personengruppen 5)Gesundheitsverhalten 6)Therapeutischer Nutzen 7)Kosten-Wirksamkeits-Verhältnis 8)Evidenzbasierung 9)Lebensbedrohliche Erkrankungen 10)Entscheidungsträger bei der Allokation medizinischer Leistungen. Zudem wurden aufbauend auf den Ergebnissen der qualitativen Untersuchung, Fallbeispiele für die Durchführung einer Conjoint Analyse konstruiert. Es wurden zwei Profilklassen erstellt, eine für „Patienten“ und eine für „Therapien“.

In der Bevölkerungsbefragung wurden besonders kontrovers folgende Themen diskutiert: Eigenverantwortung für die Gesundheit; Art der Erkrankung; Alter und Berufsfähigkeit vs. soziale Verantwortung; Art der Gesundheitsleistung und Lebensverlängerung vs. Lebensqualität. Daher wurden die Präferenzen von verschiedenen Stakeholdern (Ärzte, Bürger, Pflegekräfte, Krankenkassenvertreter) zu diesen Kriterien vertiefend mittels leitfadengestützte Fokusgruppen untersucht, um Argumente und Argumentationsketten zu identifizieren, die bei der Heranziehung oder Ablehnung von Priorisierungskriterien eine Rolle spielen.

2. Untersuchungsschwerpunkt: Der zweite Untersuchungsschwerpunkt bezieht sich auf die Priorisierungsentscheidungen und -kriterien im Bereich der Onkologie. Die Vorgehensweise gliedert sich in zwei Phasen: In der ersten qualitativ-konzeptionellen Phase wurden 16 leitfadengestützte Interviews mit Patienten, Pflegekräften, Ärzten, Verwaltungsmitarbeitern und Krankenkassenvertretern durchgeführt, um einen Fragebogen für die folgende quantitative Phase zu entwickeln. In der zweiten Phase werden Patienten, Angehörige, Pflegekräfte und Ärzte zu ihren Präferenzen hinsichtlich des therapeutischen Nutzens, Wirksamkeit sowie Kosten einer Behandlung in der Onkologie befragt. Die Studie wird derzeit durchgeführt.

3. Untersuchungsschwerpunkt: Der dritte Untersuchungsschwerpunkt bezieht sich auf die Priorisierungsentscheidungen und -kriterien im Bereich der Prävention. Eine Quotenstichprobe wurde mittels computergestützten persönlichen Befragung (CAPI) mit Bürgern und Bürgerinnen aus Bremen und der Umgebung durchgeführt. Die Erhebung fand im Frühjahr 2010 statt. Es wurden sieben Themenbereiche in den Fragebogen aufgenommen: 1)Persönliche Erfahrungen mit Angeboten zur Vorsorge 2)Zukünftige Entwicklung - Allgemeine Fragen zu Wunschvorstellungen 3)Favorisierte Priosierung von Personengruppen 4)Favorisierte Priorisierung von Arten von Prävention 5)Favorisierte Prävention in speziellen Themenbereichen 6)Entscheidungsträger bei der Festlegung von Vorsorgeleistungen 7)Fragen zu Wunschvorstellungen der zukünftigen Finanzierungs- und Priorisierungspraxis. Zudem wurde aufbauend auf den Ergebnissen der Fragebogenerhebung, eine Conjoint Analyse und Discrete Choice Analyse sowie verschiedene Ranking zur Priorisierung von präventiven Leistungen konstruiert.
Datenbasis Primärdaten
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 2.031)
   Gruppendiskussion/Fokusgruppe  (Stichprobengröße: 13)
   Leitfadeninterviews  (Stichprobengröße: 45)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse 1. Untersuchungsschwerpunkt: Zu den zentralen Ergebnissen der Bevölkerungsbefragen zählen: - Behandlung von akuten lebensbedrohlichen Verletzungen und Erkrankungen bekommen eine höhere Zustimmung als akute nicht lebensbedrohliche Erkrankungen; -Gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen (hoher Alkoholkonsum, Rauchen, Extremsport) werden als Posteriorisierungskriterien von den Befragten weitgehend befürwortet; - die Höhe der Kosten einer medizinischen Behandlung als Priorisierungskriterium wird abgelehnt; - Evidenzbasierte Medizin als Kriterium wird akzeptiert; - Bürger möchten an der Entscheidungsfindung beteiligt werden, wobei die letztendlich Entscheidung bei den Gesundheitsexperten wie Ärzte, Vertreter der Krankenkassen liegen soll. Zu den Arbeitsschwerpunkten 2 und 3 liegen derzeit noch keine Ergebnisse vor. Alle bisherigen Ergebnisse können Sie auf der Internetseite www.priorisierung-in-der-medizin.de unter \\\'Publikationen/Schriftenreihe\\\' einsehen. Weitere Publikationen befinden sich derzeit in Arbeit und werden fortlaufend eingestellt. Bei Fragen zu den Ergebnissen wenden Sie sich bitte an: Prof. Dr. Adele Diederich.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 10.09.2013