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Bedarfe und Evaluation pflegerischer Versorgungsstrukturen im ambulanten Sektor – Am Beispiel niedrigschwelliger Angebote

 

Projektkennung VfD_11_002146
Laufzeit von 06/2011 bis 08/2012
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Welche niedrigschwelligen Betreuungsangebote stehen im Land Bremen zur Verfügung?
Werden diese den Entlastungs- und Betreuungsbedarfen der betroffenen Personen und ihren pflegenden Angehörigen gerecht?
Wie schätzen die Anspruchsberechtigten das Ausmaß an Zufriedenheit, Entlastung und Wohlbefinden durch die zusätzlichen Betreuungsleistungen ein?
Was sind die Gründe der Nicht-Inanspruchnahme sowie für den Abbruch bereits in Anspruch genommener Angebote durch die berechtigten Personen?
Welche Hilfen oder Herausforderungen bestehen aus der Sicht der betroffenen Personen bei der Vermittlung, der Antragstellung sowie der Abrechnung der zusätzlichen Betreuungsleistungen?
Welche Barrieren der Inanspruchnahme niedrigschwelliger Betreuungsangebote bestehen und wie lassen sich diese erklären?
Auf welche Kompetenzen legen Anbieter von Betreuungsangeboten bei ihren Mitarbeiter/innen Wert und wie erfolgt die Qualifizierung dieser?
Wie gestaltet sich die Kooperation zwischen pflegenden Angehörigen und (Semi-)Professionellen?

Welche anspruchsberechtigten Personen werden vernachlässigt?
Hintergrund / Ziele Aktuell leben im Land Bremen 21.340 Pflegebedürftige, von denen gut 75% entweder ausschließlich von ihren Angehörigen oder in Kooperation mit ambulanten Pflegediensten zu Hause gepflegt werden. Die Betreuung von Pflegebedürftigen kann sich für die Angehörigen rasch zu einer psychischen, physischen und finanziellen Bürde entwickeln, insbesondere dann, wenn eine dementielle Erkrankung des zu Pflegenden vorliegt. Genau an dieser Stelle setzt das Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetz von 2002 bzw. 2008 an: Es hat zum Ziel, durch die Bereitstellung von zusätzlichen Betreuungsleistungen pflegende Angehörige zu entlasten sowie für die betroffenen Personen vielfältige niedrigschwellige Betreuungsangebote zu schaffen. Wie dieses Ziel im Land Bremen aus der Sicht der betroffenen Personen sowie der Anbieter bisher umgesetzt wurde, bildet den Schwerpunkt des Forschungsprojektes
Methodik Methodische Vorgehensweise:
Zur Beantwortung dieser Forschungsfragen werden drei Erhebungen durchgeführt:
1. Eine Online-Befragung der Anbieter niedrigschwelliger Betreuungsangebote gibt Aufschluss über die Angebotspalette, Auslastung, Implementierung, Öffentlichkeitsarbeit, Qualifizierung der Mitarbeiter/innen sowie Einbeziehung der pflegenden Angehörigen in die inhaltliche Gestaltung der Angebote.

2. Die pflegenden Angehörigen werden zur aktuellen Wohn- Pflege- und Betreuungssituation, Zufriedenheit mit dem/n gewählten Angebot/en, zu den Gründen der Nicht-Inanspruchnahme sowie dem Abbruch bereits in Anspruch genommener Betreuungsleistungen schriftlich per standardisierten Fragebogen befragt. Zusätzlich werden soziodemographische Daten zur pflegenden und pflegebedürftigen Person erhoben.
3. Pflegende Angehörige stehen als Nicht-Nutzer/innen und Abbrecher/innen zusätzlicher Betreuungsleistungen im Fokus von zwei Gruppeninterviews, in denen es darum geht, die Gründe für die Nicht-Inanspruchnahme und für den Abbruch bereits in Anspruch genommener Betreuungsangebote auf einer qualitativen Ebene zu erforschen.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 400)
   Befragung online  (Stichprobengröße: 74)
   leitfadengestützte Interviews  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Evaluationsstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 9 bis 98 Jahre
Ergebnisse Im Land Bremen konnten sich niedrigschwellige Betreuungsangebote seit der Einführung des Pflegeleistungs-Ergänzungsgesetzes von 2002 und dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz von 2008 relativ gut etablieren. Die Mehrheit der Angebote wurde für Menschen mit einer dementiellen Erkrankung und deren pflegende Angehörige konzipiert. Betreuungsangebote für Menschen mit einer geistigen Behinderung oder psychischen Erkrankung spielen eine eher nachrangige Rolle. Der direkte Kontakt zu den Pflegehaushalten erleichtert in einem hohen Maß die Bekanntheit des Betreuungsangebotes. Aber auch Flyer bieten einen guten Weg der Bekanntmachung. Die Einzelbetreuung wird von den Befragten häufiger als die Gruppenbetreuung gewählt, da diese von den Anspruchsberechtigten im Vergleich zu der Gruppenbetreuung flexibler und einfacher genutzt werden kann. Bei der Einzelbetreuung können auch weit mehr Veränderungswünsche bzw. individuelle Wünsche der pflegenden Angehörigen berücksichtigt werden, als bei der Gruppenbetreuung. Die Tendenz zur Einzelbetreuung ist daher im Gegensatz zur Gruppenbetreuung steigend. Hier ist jedoch zu bedenken, dass für die Durchführung von Einzelbetreuungen mehr Betreuungskräfte benötigt werden als für die der Gruppenbetreuung. Die Angebote sind vielfältig und orientieren sich im Großen und Ganzen an den noch vorhandenen Ressourcen der Betroffenen sowie an den zeitlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen des jeweiligen Angebots. Die befragten Anbieter schätzen die Entlastungswirkung der Angebote für die pflegenden Angehörigen als hoch bzw. sehr hoch ein. Wenngleich die Rekrutierung von ehrenamtlichen Betreuungskräften als diffizil angesehen wird, sind die Erfahrungen in der Kooperation mit ihnen eher gut bis sehr gut. Empathie, Zuverlässigkeit und Qualitätsbewusstsein sind die wichtigsten Kompetenzen, die eine Betreuungskraft für diese Aufgabe mitbringen sollte. Während bei der Vorbereitung der Betreuungskräfte auf Schulungen und Info-Gespräche gesetzt wird, sind bei deren Begleitung zuerst Gespräche und dann Beratungen sowie Schulungen die gängigsten Methoden. Anzumerken ist, dass nur 2 Anbieter ihren Betreuungskräften Supervision anbieten. Betreuungskräfte sind flexibel: Eine Mehrheit ist auch am Wochenende im Einsatz und die meisten können innerhalb von 1-2 Tagen angefordert werden. Die verantwortlichen Pflegefachkräfte verfügen hauptsächlich über eine 3-jährige Pflegeausbildung oder eine (sozial-)pädagogische Ausbildung. Sie sind sowohl bei der Durchführung der Gruppenbetreuung als auch bei dem Erstgespräch im Rahmen einer Einzelbetreuung fast immer anwesend. Aus den Ergebnissen der schriftlichen Befragung der Anspruchsberechtigten konnten die Gruppen der „Nutzer/innen“ und die der „Nicht-Nutzer/innen“ gebildet werden: „Nutzer/innen“ können sich von der Betreuung lösen bzw. sich stärker abgrenzen und nehmen externe Unterstützung an. „Nicht-Nutzer/innen“ dagegen geben die Betreuung in der Regel nicht aus der Hand und lehnen externe Hilfe eher ab. Aus Sicht der befragten „Nutzer/innen“ stellen Betreuungsangebote eine Bereicherung und Entlastung im Betreuungsalltag dar und die Hälfte dieser Personengruppe würde mehr davon in Anspruch nehmen, wenn ihr mehr Geld zur Verfügung stände. Aus der Perspektive der befragten „Nicht-Nutzer/innen“ ist die Motivation zur Inanspruchnahme von Betreuungsangeboten durch eine Ambivalenz gekennzeichnet: Diese besteht darin, dass der Wunsch nach Entlastung von der Betreuung und der Wunsch, für die betreute Person eine ausnahmslose Betreuung leisten zu wollen, gleichzeitig bestehen. Diese Ambivalenz wird von den Betreuenden durch den Verzicht auf eigene Entlastungsbedürfnisse aufgelöst.

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Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 02.07.2013