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Zukunftsprojekt Rollende Arztpraxis

Mobiles Konzept als künftige 3. Säule zur Sicherung der medizinischen Versorgung

 

Projektkennung VfD_11_003131
Laufzeit von 04/2011 bis 12/2014
Webseitehttps://plri.de/forschung/projekte/rollende-arztpraxis
Status des Projekts abgeschlossen
GesamtprojektZukunftsregionen Gesundheit – kommunale Gesundheitslandschaften

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Die zentrale Fragestellung des Projektes ist, ob und wie die hausärztliche Versorgung durch eine mobile Versorgungseinheit – die Rollende Arztpraxis – ergänzt werden kann.
Hintergrund / Ziele Der demografische Wandel stellt die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten vor neue Herausforderungen: Immer mehr älteren Menschen stehen immer weniger niedergelassene Ärzte gegenüber. In Niedersachsen, insbesondere im Landkreis Wolfenbüttel, ist dieser Ärztemangel besonders stark zu spüren. Wolfenbüttel beteiligt sich als einer von insgesamt drei Modelllandkreisen in Niedersachsen an der Initiative „Zukunftsregion Gesundheit“ des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums. Das Ziel des Landesprojekts „Zukunftsregion Gesundheit“ ist es, in interdisziplinären Arbeitsgruppen innovative und bedarfsorientierte Projekte zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung auf dem Land zu erarbeiten. Die Koordination der „Rollenden Arztpraxis“ liegt in den Händen der Arbeitsgruppe Mobilität und Infrastruktur.
Methodik Typische Krankheitsbilder werden mit den demografischen Spezifika der Region zu Versorgungsszenarien kombiniert. Abgeleitete UseCases der Rollenden Arztpraxis bilden Anforderungen an die mobile Versorgungsmodalität, gegliedert in die Bereiche der medizinisch-prozeduralen, (informations-)technischen und ökonomisch-wirtschaftlichen Ausgestaltung. Eine multizentrische longitudinale Praxisstudie mit prospektiver Erhebung ermöglicht die Einschätzung der Machbarkeit und des Erfolges. Grundlegende operationalisierte Kennzahlen sind die Inanspruchnahme der Rollenden Arztpraxis, die ökonomische Tragfähigkeit sowie die Auswirkungen auf die subjektive Versorgungswahrnehmung behandelter und potentiell behandelbarer Patienten. Die Projektlaufzeit beträgt 18 Monate. Die Studie erfolgt in drei Partitionen unterteilt in Planungs-, Prozess- und Output-Evaluation.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: k.A.)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: k.A.)
   Beobachtungen  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Längsschnittstudie
Beobachtungsstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Die Rollende Arztpraxis (RAP) begegnet der sich verändernden Altersstruktur unter den niedergelassenen Ärzten im Landkreis Wolfenbüttel. Im Rahmen des Modellprojektes „Zukunftsregionen Gesundheit – kommunale Gesundheitslandschaften“, initiiert und finanziert vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, der AOK Niedersachsen und der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, verfolgt der Landkreis Wolfenbüttel mit der RAP dabei das Ziel der Sicherstellung einer wohnortnahen, bedarfsgerechten medizinischen Versorgung speziell im Hinblick auf die Behandlung chronisch kranker, multimorbider und älterer Patienten. Die Frage ist, ob und wie die hausärztliche Versorgung durch eine mobile Versorgungseinheit – die Rollende Arztpraxis – ergänzt werden kann. Während sich bestehende Arztmobil-Modelle auf die Spezial- oder Basisversorgung einer spezifischen Teilmenge von Patienten beschränken, soll die Rollende Arztpraxis mobile Ergänzungslösung zur hausärztlichen Versorgung abbilden.

Die Auswahl adäquater Einsatzgemeinden erfolgte durch Analyse der Arztdichte und Verkehrsanbindung. Versorgungsanforderungen wurden durch eine teilstandardisierte Umfrage in den Projektregionen erhoben. Zielgrundgesamtheit waren alle gesetzlich Versicherten des Landkreises Wolfenbüttel. Abgeleitet aus den resultierenden Use Cases wurden Versorgungsszenarien definiert.
Die Akzeptanz wird durch laufende Befragungen während der gesamten Projektlaufzeit ermittelt. Fragen an potentielle Patienten enthalten demografische Daten, Angaben zur aktuellen medizinischen Versorgung und Erwartungen an die RAP. Tatsächlich in der RAP behandelte Patienten werden zusätzlich zur Zufriedenheit mit ihrer Behandlung in der RAP befragt. Fragen an niedergelassene Hausärzte in den Projektregionen enthalten ebenso demografische Daten, generelle Angaben zur Praxis und sowie erwartete Nutzwerte für die Ärzte selbst und ihre Patienten.
Die basale ökonomische erfolgt anhand von Auslastungs- und Einsatzmodellen aus den realen Abrechnungen und Aufwendungen.

Die Auswahlgrundgesamtheit der Vorbefragung umfasst 3090 Versicherte. Eine Antwortrate von 17,8% führte zu einer Stichprobengröße von 549 Versicherten. Das Durchschnittsalter war 61 Jahre, wobei Frauen (n=244) und Männer (n=296) ähnlich verteilt waren. 61% (n=323) gaben an, an einer oder mehreren chronischen Krankheiten zu leiden. 38% (n=141) waren eher oder sehr unzufrieden mit der hausärztlichen Versorgung. 41% (n=150) waren eher oder sehr unzufrieden mit der Erreichbarkeit des Hausarztes.
Die häufigsten Gründe für einen Hausarztbesuch waren die Behandlung akuter Symptome (n=375), Folgerezeptausstellungen (n=317), Facharzt-Überweisungen (n=262) und die Behandlung chronischer Beschwerden (n=183). Diese Verteilung spiegelte sich auch im erwarteten Leistungsspektrum der RAP (n=[332, 285, 131, 115]) wider.
372 Rückmeldungen kamen aus den jeweils ausgewählten Halteorten. Davon gaben rund 41% eine eher hohe oder sehr hohe Wahrscheinlichkeit an, die RAP in Anspruch zu nehmen.

Während der Projektlaufzeit wurden 501 Behandlungen durchgeführt. Es gab eine Gesamtzahl von 276 Fällen. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 69 Jahre. Über die Hälfte der Patienten leidet an 3 oder mehr Diagnosen. Die Verteilung der Auslastung über die Haltepunkte war sehr unterschiedlich (n=[115, 158, 127, 70, 9, 5, 17]). Die häufigsten Diagnosen waren essentielle (primäre) Hypertonie (ICD-10: I10) gefolgt von chronischer ischämischer Herzkrankheit (ICD-10: I25) und hypertensiver Herzkrankheit (ICD-10: I11).

Ergebnisse der laufenden Befragung behandelter Patienten (Rücklauf ca. 13%, n=37) zeigt, dass alle Patienten eher zufrieden oder sehr zufrieden mit der RAP insgesamt sind. Kleinere Unzufriedenheiten betreffen die Haltefrequenz (n=1) oder die Sprechzeiten (n=1) der RAP. Als Gründe für den Besuch der RAP wurden hauptsächlich Folgerezeptausstellungen (n=18) und akute (n=15) sowie chronische (n=8) Beschwerden angegeben. Viele Patienten erreichten die RAP zu Fuß (n=18) oder mit dem Fahrrad (n=7).

Die Auswertung der Pseudoabrechnungen und Projektausgaben zeigt ein Defizit in allen drei aufgestellten Betriebsmodellen sowie deren drei Ausprägungen. Bei optimaler Standortwahl kann die RAP theoretisch bis zu 59% der Auslastung einer durchschnittlichen hausärztlichen Praxis generieren. Der Betrieb ist zur Ergänzung der ambulanten wohnortnahen Versorgung in Form eines subventionierten Modells möglich. Schlüsselfaktoren in der Standortwahl sind dabei ansässige Ärzte, die Verkehrsanbindung und das Bevölkerungsprofil.

Im Bezug auf die Fragestellung des Projektes ist es möglich die ambulante ländliche hausärztliche Gesundheitsversorgung der gesetzlichen Kranversicherung im Landkreis Wolfenbüttel erfolgreich zu ergänzen.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 06.04.2016