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Erstellung eines Leitfadens zur Anwendung von klinischen Messverfahren in der Tumornachsorge und Rehabilitation von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren

 

Projektkennung VfD_10_003290
Laufzeit von 05/2010 bis 06/2013
Webseitehttp://ihrs.ibe.med.uni-muenchen.de/biopsychosocial/abgeschlossen/icf_kopf_hals_tumore/index.html
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Übergeordnetes Ziel des Projektes war es, die im ICF Core Set für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren (ICF-KHT) definierten funktionellen Aspekte mit konkreten Messinstrumenten, mit denen funktionelle Beeinträchtigungen gemessen werden können, zu hinterlegen. Dabei sollte ein klinisch-praktischer Leitfaden entstehen, der zu jedem funktionellen Aspekt im ICF-KHT geeignete Messinstrumente vorschlägt.
Hintergrund / Ziele Funktionelle Beeinträchtigungen bei Kopf-Hals-Tumoren (KHT) werden bisher im klinischen Alltag selten standardisiert erhoben. Klinische Studien mit der Zielgröße Funktionserhalt bei KHT verwenden viele verschiedene Instrumente. Die Ergebnisse sind deshalb oft schlecht vergleichbar und lassen zu wenig klinische Schlussfolgerungen zu. Es war daher Ziel dieser Studie, die nach bisher bekannter Evidenz und interdisziplinärem Expertenkonsens am besten geeigneten Instrumente zur Beurteilung von Funktionsfähigkeit bei KHT zu identifizieren und Empfehlungen für deren Verwendung in einem Leitfaden zusammenzustellen. Die Auswahl erfolgte auf Basis der im ICF Core Set für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren (ICF-KHT) definierten funktionellen Aspekte.
Methodik Die Entwicklung des Leitfadens erfolgte in drei Phasen:
(1) Es wurden Vorstudien (berufsgruppenspezifische Delphi-Studien, Patientenbefragungen und eine systematische Literaturrecherche) durchgeführt mit dem Ziel, Messverfahren, die in den vergangenen Jahren in der klinischen Praxis in Deutschland sowie international in der klinischen Forschung erfolgreich angewendet wurden, zu identifizieren und zu bewerten und die Prioritäten der betroffenen Patienten bezüglich funktioneller Aspekte in Erfahrung zu bringen. Basierend auf den Ergebnissen dieser Studien wurde unter Verwendung festgelegter Kriterien eine Vorauswahl an Instrumenten getroffen.
(2) Teilnehmer einer interdisziplinären strukturierten Konsensus-Konferenz diskutierten und bewerteten die vorausgewählten Instrumente und stimmten ab, welche davon empfohlen werden können für die Anwendungsbereiche: Screening funktioneller Beeinträchtigungen, Therapiebeurteilung/-planung und klinische Studien. An der Konferenz beteiligte Berufsgruppen waren HNO-Ärzte, Radioonkologen, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, internistische Onkologen, Phoniater, Logopäden, Psychologen, Physiotherapeuten und Sozialarbeiter.
3) Für die praktische Umsetzung der konsentierten Empfehlungen wurden, basierend auf den empfohlenen Instrumenten für das Screening funktioneller Beeinträchtigungen bei KHT, zwei Fragebögen verfasst, ein Patientenfragebogen und eine Checkliste für den Arzt. Für die Datenerfassung im Rahmen der Tumornachsorgesprechstunde wurde ein internetbasiertes vollelektronisches System (smartSurvey) entwickelt. Damit können Patienten während der Wartezeit die an sie gestellten Fragen mit Hilfe eines Tablet-PCs beantworten. Mit dem Abspeichern der Antworten kann der behandelnde Arzt bereits die ausgewerteten Daten einsehen.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 300)
   Delphi-Befragungen in 5 Berufsgruppen  (Stichprobengröße: 169)
   Patienten- und Ärztebefragungen in der Tumornachsorge  (Stichprobengröße: 130)
Studiendesign Querschnittstudie
Längsschnittstudie
Literaturarbeit
   Systematische Literaturrecherche
Strukturierte Konsensuskonferenz
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse Mit Hilfe festgelegter Auswahlkriterien wurde die Anzahl der in den Vorstudien gefundenen Instrumente (210 bei der Literaturrecherche, 33 in den Delphi-Studien) auf ein praktikables Maß reduziert. Insgesamt wurden 88 Instrumente, darunter 57 Instrumente aus dem Literaturreview, ausgewählt und in sechs Funktionsbereichen (Therapiekontrolle – Schmerz – Nahrungsaufnahme – Stimme, Sprechen, Atmung – weitere organische Probleme – Psychosoziale Funktion) für die Konsensuskonferenz aufbereitet.
Es wurden für drei Anwendungsbereiche (Screening, Therapiebeurteilung/-planung und klinische Studien) Messinstrumente zur Erfassung funktioneller Aspekte bei KHT empfohlen und in einem Leitfaden zusammengestellt.
Das Screening funktioneller Beeinträchtigungen auf Basis der im Leitfaden empfohlenen Instrumente wird derzeit im Rahmen einer Pilotstudie (Längsschnitt, multizentrisch, ca. 150 Patienten, Befragungszeitpunkte wie auf der Konferenz empfohlen) getestet. Die Studie beinhaltet (A) die Implementierung der empfohlenen Instrumente in den Versorgungsalltag, d.h. die systematische und standardisierte Erfassung von funktionellen Problemen im Rahmen der Tumornachsorge und (B) die Beurteilung der Praktikabilität und Akzeptanz der im Leitfaden enthaltenen Empfehlungen unter den realen Bedingungen des klinischen Alltags durch die behandelnden Ärzte.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 04.03.2016