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GUSTE - Gutes Sterben

 

Projektkennung VfD_GUSTE_13_003311
Laufzeit von 01/2013, fortlaufend
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Eine zentrale Fragestellung des Projektes ist, wie sich das Konstrukt des 'Guten Sterbens' für Forschungszwecke operationalisieren lässt.
Hintergrund / Ziele In dem Verbundprojekt geht es um die Zusammenführung von Analyseperspektiven auf dieses Thema aus medizinethischer, palliativmedizinischer und medizinsoziologischer/-psychologischer Sicht.

1) Im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit sollen erstens Möglichkeiten der Operationalisierung und Messung des Konstruktes „gutes Sterben“ aus der Sicht von Psychologie und Soziologie aufgezeigt und aggregiert werden.

2) Mit empirischen Erkenntnisverfahren soll zweitens erfasst werden, welche Vorstellungen zu einem guten Sterben in verschiedenen Bevölkerungs- und Sozialgruppen (mit und ohne Krankheitshintergrund) existieren. Diese Daten sollen dann mit den Ergebnissen der Studien aus der Palliativmedizin Teilbereich 1 und den kulturhistorischen- philosophischen Untersuchungen verglichen werden. Es soll geklärt werden wie sich die heutigen Vorstellungen des „guten Sterbens“ gegenüber früheren Anschauungen gewandelt haben, welcher sozialen Bedingtheit sie unterliegen und welche zielgruppenbezogenen Konsequenzen daraus für die soziale Organisation des Sterbens zu ziehen sind.

3) In theoretisch-analytischer Absicht soll drittens die Frage verfolgt werden, ob die normative Ausrichtung auf ein gutes Sterben, die vom einzelnen auch die Übernahme einer größeren Eigenverantwortung für die Gestaltung des eigenen Sterbens mit sich bringt (z.B. Pflicht zur Patientenverfügung), nicht neue soziale Ungleichheiten hervorruft.
Methodik Im empirischen Projektteil wird ein Fragebogen zu Einstellungen und Haltungen gegenüber einem 'Guten Sterben', der in einer bevölkerungsweiten Befragung bei Krebskranken und ihren Angehörigen in Japan eingesetzt worden ist, in einer ins Deutsche übertragenen Version eingesetzt. Der Fragebogen richtet sich zunächst an Studierende der Humanmedizin und der Psychologie und soll in einem nächsten Schritt auch in der Allgemeinbevölkerung eingesetzt werden.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 500)
   Gruppenbefragung im Hörsaal  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse Nach exploratorischer Faktorenanalyse konnten neun Dimensionen eines guten Sterbens gebildet werden (Cronbach‘s α > .6):

Familie und Freunde,
psychisches Wohlbefinden
Kontrolle über sich haben
Vertrauen in medizinisches Personal
religiöses und spirituelles Aufgehoben sein
angenehme Umgebungsbedingungen
anderen keine Last sein
Beständigkeit und Sicherheit
gegen den Tod kämpfen.
Die Dimension ‚Familie und Freunde‘ erwies sich als diejenige, der die höchste Bedeutung für ein gutes Sterben zugesprochen wurde. Allerdings fanden sich in dieser Dimension auch die auffälligsten Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Medizinstudierenden, wie Abb. 1 zeigt. Die Ergebnisse zu dieser Dimension deuten eine stärker unter weiblichen Studierenden ausgeprägte Haltung an, das soziale Netzwerk aus Familie und Freunden und dessen Nutzung im Falle des eigenen Todes für besonders wichtig zu halten.
Männliche Medizinstudierende verbanden hingegen häufiger Zustände wie „noch selbst Nahrung zu sich nehmen können“ oder „geistig klar zu sein“ mit dem guten Sterben.
Die ersten Ergebnisse dieser gerade abgeschlossenen Studie liefern eine Vielzahl von Erkenntnissen zu beobachtbaren Einstellungen und Wahrnehmungen eines guten Sterbens, die allerdings mit Vorsicht interpretiert werden müssen. Die Auffälligkeit von Geschlechterunterschieden in einer Reihe von Ergebnissen, aber auch die hier nicht berichteten Vorerfahrungen mancher Medizinstudierender z.B. im rettungsmedizinischen oder (intensiv-)pflegerischen Bereich sowie in der Onkologie scheinen einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Grundhaltung zum Sterben zu haben. Die Tatsache, dass etwa ein Drittel der Studierenden noch keine persönliche Berührung mit Sterben und Tod hatten, wirft die Frage auf, wie das Medizinstudium dies aufgreift. (Mittlerweile ist die Palliativmedizin Pflichtfach im Medizincurriculum und es wird eine differenzierte Lernzielvorgabe auch für diesen Bereich im Nationalen Kompetenz-orientierten Lernzielkatalog in der Medizin (NKLM) vorgeschlagen.)


Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 28.11.2013