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Blutungsereignisse unter Phenprocoumon

 

Projektkennung VfD_07_003346
Laufzeit von 01/2007 bis 12/2013
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Schätzung des Blutungsrisikos, das mit einer Phenprocoumon-Therapie assoziiert ist.
Hintergrund / Ziele Vitamin-K-Antagonisten ("Coumarine") sind ein unverzichtbarer Bestandteil der medikamentösen Prophylaxe von Thrombosen und Embolien. Durch die reduzierte Gerinnungsneigung des Blutes unter Phenprocoumon-Therapie kann es zum Teil zu sehr schweren Blutungen im Körper kommen. Besonders gefürchtet sind Blutungen im Gehirn und in anderen inneren Organen. Legt man eher vorsichtige Schätzungen zugrunde, so errechnet sich allein für das Jahr 2005 eine Anzahl von 10.000 schweren und tödlichen Blutungen unter laufender Coumarintherapie. Genauere Einschätzungen zum Risiko von Phenprocoumon induzierten Blutungsereignissen und deren klinische Relevanz sind allerdings nicht bekannt. Basierend auf den in der pharmakoepidemiologischen Forschungsdatenbank enthaltenen Routinedaten verschiedener gesetzlicher Krankenversicherungen soll das Risiko von Blutungen, das mit einer Phenprocoumon-Therapie assoziiert ist, geschätzt werden.
Methodik Im Rahmen des Projekts wurden basierend auf Daten von vier gesetzlichen Krankenkassen mehrere Fall-Kontroll Studien durchgeführt, die das Risiko intrazerebraler Blutungen, subarachnoidaler Blutungen und gastrointestinaler Blutungen nach Phenprocoumoneinnahme untersuchten.
Datenbasis Sekundärdaten
   Krankenkassen - GKV  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Fall-Kontroll-Studie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 0 bis 99 Jahre
Ergebnisse Im Rahmen des Projekts wurden mehrere Fall-Kontroll Studien durchgeführt, die das Risiko intrazerebraler Blutungen (IZB), subarachnoidaler Blutungen und gastrointestinaler Blutungen nach Phenprocoumoneinnahme untersuchten. Die Fall-Kontroll Studie zu IZB basierte auf über 8.000 Fällen von IZB und ihren zugematchten Kohorten (Fall:Kontroll Verhältnis: 1:10) und zeigte ein erhöhtes Risiko für Phenprocoumon, das in verschiedenen Altersgruppen variierte. So war das Risiko in den jüngeren Altersgruppen höher (Rate Ratio (RR) von 4,0 in den unter 55-Jährigen; 95% Konfidenzintervall (KI): 2,4-7,2) und niedriger in den älteren Altersgruppen (RR von 2,4 in der Gruppe 85 Jahre und älter; 95% KI: 1,8-3,3). (Behr et al. 2010)
In einer weiteren Fall-Kontroll Studie wurde das Risiko subarachnoidaler Blutungen (SAB) und die frühe Letalität für Phenprocoumon und andere Anithrombotika untersucht. Während das Risiko für SAB nach Phenprocoumoneinnahme leicht erhöht war, zeigte sich kein Zusammenhang mit einer frühen Sterblichkeit. (Garbe et al. 2013)
Das Risiko gastrointestinaler Blutungen nach Phenprocoumoneinnahme wurde sowohl im Fall-Kontroll Design als auch durch einen Inverse-Probability-of-Treatment-Weighted- (IPTW-) Schätzer bestimmt. Beide Methoden zeigten ähnliche Risikoschätzer.
Eine nach Alter und Geschlecht gematchte Fall-Kontroll Studie zeigte ein erhöhtes Risiko des kombinierten Endpunktes schwerer Blutungsereignisse für Phenprocoumon-Therapie, das mit Alter und Geschlecht variierte. Um die in dieser Studie beobachtete Interaktion zwischen Geschlecht und Exposition besser zu verstehen und um den Einfluss von Information, die nicht in der pharmakoepidemiologischen Forschungsdatenbank verfügbar ist (z.B. Körpergewicht oder nicht verschreibungspflichtige Medikamente), zu untersuchen, hat das BIPS in Zusammenarbeit mit der AOK Bremen/Bremerhaven eine Befragung von 505 Versicherten durchgeführt. Die Daten dieser Befragung wurden zusammen mit den Abrechnungsdaten in einer Zwei-Phasen-Studie ausgewertet, wodurch insbesondere das Risiko von BMI und Rauchverhalten auf das Blutungsrisiko untersucht werden konnte. Sowohl hoher BMI (>= 30kg/m²) als Rauchen konnten als unabhängige Risikofaktoren für Blutungen bestätigt werden. Eine Interaktion zwischen BMI und Phenprocoumon wurde nicht beobachtet, sodass sich insgesamt die geschätzten Risiken aus der initialen Datenbankstudie kaum von denen aus der Zwei-Phasen Studie unterschieden.(Behr et al. 2012) Eng verbunden mit diesem Projekt ist die methodische Arbeit in Bezug auf Zwei-Phasen Designs, die im Rahmen des von der DFG geförderten Projekts "Use of population data bases with double sampling for choice-based sample surveys and time-to-event data" durchgeführt wurde.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 01.10.2015