[Zurück zur Trefferliste]

Demenzmonitor - DemenzMonitor: Longitudinale Erfassung demenzspezifischer Versorgungs- und Bewohnermerkmale in der stationären Altenhilfe

 

Projektkennung VfD_Demenzmonitor_10_003523
Laufzeit von 10/2010 bis 12/2017
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Wie erfolgt die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz in Einrichtungen der stationären Altenhilfe in Deutschland? Welche Wohnkonzepte werden umgesetzt? Welche empfohlenen Maßnahmen werden angewendet? Wer erhält welche Interventionen?
Gibt es Unterschiede zwischen den Bewohnern verschiedener Wohnbereiche in Bezug auf Verhalten, Kognition und Pflegeabhängigkeit? Gibt es Unterschiede zwischen Wohnberei-chen in Bezug auf die Häufigkeit angewendeter Interventionen?
Welche der untersuchten Bewohner- und institutionsbezogenen Variablen stehen in einem Zusammenhang mit dem Verhalten der Bewohner und seiner Lebensqualität? Gibt es Unterschiede in Bezug auf das Verhalten und die Lebensqualität zwischen Bewohnern verschiedener Wohnbereiche?
Sind die Bewohneroutcomes Verhalten und Lebensqualität stabil über einen längeren Zeit-verlauf oder verändern sie sich? Wenn sie sich verändern, welche Faktoren und Kovariaten stehen in einem Zusammenhang mit verschiedenen Zeitpunkten? Muss Zeit als ein beeinflussender Faktor von Verhalten und Lebensqualität betrachtet werden? Welche Faktoren stehen in einem Zusammenhang mit der Veränderung der Outcomes?
Hintergrund / Ziele Einrichtungen der stationären Altenhilfe richten ihr Angebot und Pflegeleitbild zunehmend auf die Bedürfnisse der wachsenden Gruppe von Menschen mit Demenz aus. Spezielle Wohnbereichskon-zepte und individuell ausgerichtete psychosoziale Interventionen werden vom Bundeministerium für Gesundheit sowie dem Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. für die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz empfohlen. Als Ziel einer demenzorientierten Pflege und Betreuung werden ein verständnisvoller und bedürfnisorientierter Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen sowie der Erhalt und die Förderung der Lebensqualität der Bewohner angestrebt.
Es kann davon ausgegangen werden, dass in einem Großteil der Einrichtungen entsprechende Kon-zepte und Interventionen in unterschiedlicher Art und Weise Anwendung finden. Bislang ist wenig über die Anwendung der empfohlenen Maßnahmen in der täglichen Praxis bekannt, welche Faktoren die Anwendung beeinflussen und ob sie mit den erwünschten Ergebnissen in einem Zusammenhang stehen. Des Weiteren besteht Forschungsbedarf, was das Verhalten und die Lebensqualität der Bewohner beeinflusst und bei der Untersuchung der Versorgungsqualität in den Einrichtungen mit berücksichtigt werden muss.
Ziel der Studie DemenzMonitor ist die Untersuchung bewohnerbezogener und institutioneller Faktoren und Kovariaten, die mit dem Verhalten der Bewohner und ihrer Lebensqualität in einem Zusammenhang stehen.
Methodik Die Studie „DemenzMonitor“ ist eine deskriptive longitudinale Beobachtungsstudie. Die Datenerhebung erfolgt einmal jährlich in Einrichtungen der stationären Altenhilfe (Gelegenheitsstichprobe). Es werden Daten zur Einrichtung, den teilnehmenden Wohnbereichen und deren Bewohnern erhoben. Die Datenerhebung wird von geschulten Mitarbeitern der Einrichtungen mittels standardisierter Fragebögen durchgeführt. Die Zielgrößen Verhalten und Lebensqualität werden durch Bezugspflegekräfte anhand der Instrumente Neuropsychiatrsiches Inventar (NPI-Q) sowie QUALIDEM eingeschätzt.
Die Auswertung erfolgt primär explorativ unter Verwendung verschiedener Data Mining Techniken (Visualisierung und Klassifizierung von Daten) sowie Assoziations- und Regressionsanalysen. In Re-gressionsmodellen, die Daten von verschiedenen Ebenen oder verschiedener Zeitpunkte miteinander in Verbindung stellen, werden entsprechende Mehrebenenanalysen durchgeführt.
Datenbasis Primärdaten
Studiendesign Längsschnittstudie
Beobachtungsstudie
Literaturarbeit
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Der im Rahmen des Projektes neu entwickelte Fragebogen wurde in 2014 zum dritten Mal eingesetzt. Neu entwickelte Teile des Fragebogens wurden nach der Datenerhebung 2012 nur marginal angepasst, sodass vergleichbare Daten für die drei Zeiträume vorliegen. Der Fragebogen wurde vor dem Einsatz in 2012 hinsichtlich Inhaltsvalidität und Praktikabilität getestet, der Entwicklungsprozess und der Fragebogen liegen seit 2014 als internationale Veröffentlichung vor. Die Ergebnisse der Reliabilitätstestung werden dazu beitragen, den Fragebogen hinsichtlich seiner Validität zu optimieren.
Die Querschnittsdaten der Erhebung aus 2013 wurden genutzt, um Ergebnisse zur Beantwortung des ersten und zweiten Forschungsfragenkomplexes zu generieren. Die deskriptive Darstellung der strukturellen Rahmenbedingungen, der Bewohner/innenstruktur und der Umsetzung empfohlener Interventionen stellt den Gegenstand des ersten Forschungsberichtes dar (in Bearbeitung). Dieser richtet sich primär an die teilnehmenden Einrichtungen, wird aber auch der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.
Ergebnisse zu Strukturmerkmalen verschiedener Wohnbereiche wurden bereits international veröffentlicht. In dieser Untersuchung konnte die Diversität von Wohnbereichen in Einrichtungen der stationären Altenhilfe anhand von gut messbaren Kriterien beschrieben werden. Zur Definition wurden Kriterien herangezogen, die als wichtiges Merkmal für das Wohnkonzept gelten und die Rahmenbedingungen beeinflussen: Größe des Wohnbereichs (≤/> 15 Plätze), Spezialisierung auf Demenz (segregatives versus integratives Wohnkonzept) sowie eine gesonderte Leistungsfinanzierung aufgrund einer Schwerpunktversorgung von Menschen mit Demenz (liegt vor versus liegt nicht vor). Untersucht wurden strukturelle Merkmale, die vorhandene Wohnkonzepte auszeichnen. In der Stichprobe von 103 Wohnbereichen wiesen 40 eine Spezialisierung auf; von diesen Wohnbereichen hatten 31 mehr als 15 Plätze. Eine gesonderte Leistungsfinanzierung wurde nur für große Wohnbereiche verhandelt, in denen ausschließlich Menschen mit Demenz lebten (n=16). Von den 63 integrativen Wohnbereichen hatten 15 Wohnbereiche gleich oder weniger als 15 Plätze, von den segregativen traf dies auf 9 Wohnbereiche zu. Die Ergebnisse zeigten, dass große Wohnbereiche mit einer gesonderten Leistungsfinanzierung über mehr examiniertes Pflegepersonal und Pflegepersonal mit einer gerontopsychiatrischen Zusatzqualifikation verfügten als große Wohnbereiche ohne zusätzliche Leistungsfinanzierung. Die Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass kleine Wohnbereiche grundsätzlich einen günstigeren Betreuungsschlüssel haben. Allerdings scheint das examinierte Personal jedoch in vielen Wohnbereichen nicht kontinuierlich präsent zu sein. Kleinere Wohnbereiche verfügten über mehr Einzelzimmer, die Mahlzeiten wurden häufiger in den Wohnbereichen zubereitet und dort „wie zuhause“ eingenommen. In anderen untersuchten Merkmalen wie der Möblierung und der Möglichkeit, sich draußen aufzuhalten, wurden keine Unterschiede zwischen den Wohnbereichstypen festgestellt.
Der DemenzMonitor leistet einen wichtigen Beitrag zu der Diskussion, wie aktuell strukturelle Rah-menbedingungen, Konzepte und Interventionen in Einrichtungen der stationären Altenhilfe gestaltet sind und ob diese mit angestrebten Qualitätsstandards im Einklang stehen. Des Weiteren liefert der DemenzMonitor Erkenntnisse über die versorgungsrelevanten Bewohner/innenoutcomes Lebensqualität und herausforderndes Verhalten.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 06.01.2016