[Zurück zur Trefferliste]

Evaluation der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) nach §73b SGB V in Baden-Württemberg (2013-2016)

Arbeitspaket 3 Weitere Evaluation des VERAH-Einsatzes

 

Projektkennung VfD_13_003549
Laufzeit von 04/2013 bis 03/2016
Webseitehttp://www.allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de/forschung4/hzv.html
Status des Projekts abgeschlossen
GesamtprojektEvaluation der Hausarztzentrierten Versorgung (HzV) nach §73b SGB V in Baden-Württemberg (2013-2016)
ProjektkuerzelAP3 - Evaluation des VERAH-Einsatzes

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Phase I:
1a. Welche Aufgaben werden von den VERAH übernommen?
1b. Welche Tätigkeiten werden von den VERAH als typisch wahrgenommen?
1c. Welche Patienten werden von den VERAH in welcher Intensität betreut?
Phase II:
2. Wie stellt sich die Betreuung durch eine VERAH aus Sicht der Patienten dar?
Phase III:
3a. Wie wurde der VERAH-Einsatz von Praxisteams umgesetzt?
3b. Was erweist sich für die Praxen dabei als förderlich, was als hemmend?
Hintergrund / Ziele Hintergrund
Der Einsatz von „Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis“ (VERAH) im Rahmen von Verträgen zur hausarztzentrierter Versorgung (HzV) stellt ein praxisteamorientiertes Konzept dar, bei dem es zu einer Aufgabenverteilung zwischen Hausärzten, VERAH und Medizinischen Fachangestellten (MFA) einer Praxis kommen soll, die in einer besseren Versorgung von chronisch Kranken und einer Entlastung der Hausärzte resultiert. Ergebnisse der ersten Evaluation der HzV in Baden-Württemberg im Zeitraum 2010 bis 2011 zeigten bereits, dass eine Delegation von Aufgaben an VERAH in den Praxen tatsächlich stattfindet und dass sie sowohl bei routinemäßigen Hausbesuchen als auch innerhalb der Praxis arztentlastend koordinierend tätig sind.In dieser weiteren Evaluation soll der Tätigkeitsbereich der VERAH tiefergreifend untersucht werden.
Methodik Mixed-Methods-Ansatz:
Phase I: Für eine umfängliche inhaltliche Darstellung des Aufgabenspektrums von VERAH in der HzV-Baden-Württemberg wurden differenzierte Tätigkeitsprotokolle erstellt. Zusätzlich schätzten die VERAH die Vorteils ihrer Tätigkeit für die Patienten ein.
Phase II: Querschnittliche Fragebogenerhebung bei HzV-Patienten mit und ohne VERAH-Betreuung.
Zusatzbefragung bei Ärztinnen und Ärzte mit und ohne VERAH mittels Fragebögen.
Phase III: Qualitative telefonische Einzelinterviews mit VERAH und mit HzV-Ärzten, die eine VERAH beschäftigen.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 1.266)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 35)
   Befragung postalisch (Ärzte)  (Stichprobengröße: 74)
   Befragung postalisch (MFA & VERAH) je  (Stichprobengröße: 74)
   Tätigkeitsprotokolle über Patientenkontakte  (Stichprobengröße: 4.365)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter nicht untersucht
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Phase I:
87 VERAH protokollierte insgesamt 4.367 Tätigkeiten bei 3.898 Patienten. Die von VERAH betreuten Patienten waren älter und eher pflegebedürftig als Patienten in der Gesamt-HzV. Sie waren chronisch krank, erhielten im Durchschnitt 5 Dauermedikamente und waren häufiger in ein DMP eingeschrieben.
Aus Sicht der VERAH waren beratende Tätigkeiten aus den Bereichen „Case Management“, „Beurteilung des psychischen bzw. körperlichen Zustandes“, „Geriatrisches Assessment“, „Patientenschulungen“ und „Medikamentenmanagement“ eher als VERAH-spezifisch anzusehen. Durchschnittlich 15% der Protokolle bezog sich auf Tätigkeiten bei Hausbesuchen. Nahezu alle Hausbesuchspatienten waren über 65 Jahre alt, ein Drittel lebte allein, der Großteil (56%) war pflegebedürftig. Die Hausbesuchspatienten hatten durchschnittlich mehr Dauerdiagnosen, mehr Medikamente und waren eher an Demenz oder Diabetes mellitus erkrankt.
Die VERAH beschrieben einen Vorteil für die Patienten durch ihre Beratung, Motivation und als zusätzliche Vertrauensperson.
Phase II:
Dies wurde auch von den Patienten bestätigt, die eine hohe Akzeptanz gegenüber den Betreuungsleistungen durch VERAH und MFA zeigten. Die Akzeptanz bezog sich auf die Übernahme von Tätigkeiten durch das nichtärztliche Personal, auch wurden VERAH/MFA als kompetente Ansprechpartnerin gesehen, denen hohes Vertrauen entgegen gebracht wurde. Patienten sahen Potential hinsichtlich weiterer delegierbarer Leistungen.
Für die Ärzte bedeutet der VERAH-Einsatz eine (meist zeitliche) Entlastung, die in allen drei Erhe-bungsschritten deutlich wurde. VERAH und Ärzte beschrieben in den Interviews in diesem Zu-sammenhang hauptsächlich die Durchführung von (Routine-)Hausbesuchen. Für die Ärzte ergab sich dadurch mehr Zeit für wichtige medizinische Aufgaben. Weitere Entlastungsmöglichkeiten be-zogen sich durch Vor- und Nachbereitungs-, sowie Filteraufgaben der VERAH, indem sie noch vor dem Arzt-Patienten-Kontakt z.B. die Einschätzung der Dringlichkeit übernahmen.
Phase III:
Im qualitativen Studienteil konnten folgende förderliche Faktoren für die Umsetzung des VERAH-Konzeptes identifiziert werden: Das Engagement, die Erfahrung und Qualifikation der VERAH, Ärzte sollten Vertrauen und Handlungsspielraum gewähren, in Bezug auf die Patienten ist eine Aufklärung des Tätigkeitsspektrums der VERAH durch das Praxisteam förderlich. Weiterhin hätten die Rahmenbedingungen, wie z.B. der rechtliche Rahmen, der finanzielle Rahmen aber auch die Rahmenbedingungen innerhalb der Praxis Einfluss auf die Umsetzung des VERAH-Konzeptes. Da-bei stellte sich heraus, dass viele dieser Faktoren durch das Praxisteam beeinflusst werden können wie, z.B. eine engagierte, erfahrene MFA fortzubilden, ihr eine ausreichende Qualifikation zukom-men zu lassen, ihr den benötigten Spielraum (Entscheidungsfreiheit, Equipment) zur Verfügung zu stellen und indem die Zuständigkeiten klar definiert und abgegrenzt sind.
Solchermaßen umgesetzt bietet das VERAH-Konzept einen Vorteil für die Patienten, für die Ärzte und für die VERAH. Bei zukünftigen innovativen Versorgungsmodellen sollte die Rolle des nicht-ärztlichen Praxispersonals von Beginn an eingeplant werden, damit alle Effekte ausgeschöpft wer-den können.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 24.03.2017