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Pflegen: Belastung und sozialer Zusammenhalt

Eine Befragung zur Situation von pflegenden Angehörigen

 

Projektkennung VfD_14_003557
Laufzeit von 02/2014 bis 09/2015
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Wie sieht die Situation von pflegenden Angehörigen in Deutschland aus?
Wie belastet fühlen sich pflegende Angehörige durch die häusliche Pflegesituation?
Aus welchen Beweggründen heraus haben sich pflegende Angehörige entschieden, die Pflege zu übernehmen?
Welche Entlastungs- und Beratungsangebote nutzen pflegende Angehörige und in welchem Umfang?
Welche Bedarfe liegen aus der Perspektive der pflegenden Angehörigen vor?
Wie können die Ergebnisse zur Verbesserung der Versorgungssituation von pflegenden Angehörigen genutzt werden?
Hintergrund / Ziele Im Zuge der zunehmenden Alterung der Gesellschaft wird die Zahl der Pflegebedürftigen weiter zunehmen [Statistisches Bundesamt, 2010]. Von allen Pflegebedürftigen in Deutschland im Jahr 2011 wurden 70 Prozent zuhause gepflegt, davon zwei Drittel aus-schließlich durch Angehörige [Pfaff, 2013]. Nach wie vor werden pflegende Angehörige sowohl in der Bevölkerung als auch politisch als zentrales Standbein der Versorgung in der sozialen Pflegeversicherung gesehen. Weitere konkrete Daten über Umfang und Art der informellen Pflege werden daher benötigt [SVR Gesundheit, 2014]. Ziel der Befragung ist es, Erkenntnisse über die Belastungssituation der Pflegenden und über die Inanspruchnahme von Entlastungsangeboten zu erhalten. Auf Basis der Ergebnisse sollen vorhandene Unterstützungsangebote überprüft und weiterentwickelt werden.
Methodik Im August 2014 wurden mithilfe eines standardisierten Fragebogens 1.007 pflegende Angehörige in computergestützten persönlichen Interviews (CAPI beziehungsweise Computer Assisted Personal Interviewing) befragt. Als pflegende Angehörige wurden Personen definiert, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und eine nahestehende Person, die eine Pflegestufe (0–3) hat, ehrenamtlich ambulant versorgen. Dabei durfte es sich nicht allein um hauswirtschaftliche oder ähnliche Tätigkeiten handeln. Zur Erfassung der Belastungssituation wurde der Fragebogen „Häusliche Pflege-Skala“ (HPS) eingesetzt. Daneben wurden subjektives Befinden, Kenntnisse im Bereich der Entlastungsmöglichkeiten, Informationszugang sowie soziodemographische Daten erfasst. Danach erfolgte eine repräsentative Gewichtung nach Pflegestufe des Gepflegten und Bundesland. Die Daten wurden mit der Statistik-Software „SPSS Statistics 22“ ausgewertet und auf signifikante Unterschiede geprüft.
Datenbasis Primärdaten
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 1.007)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse Pflegende Angehörige sind oftmals enge Verwandte, vor allem Kinder (50 Prozent). Die größte Gruppe stellen Frauen im Alter von 50 bis 59 Jahren dar. Informell Pflegende schätzen ihren eigenen Gesundheitszustand im Vergleich zur Gesamtbevölkerung weniger positiv ein. Es zeigt sich eine Belastungssituation je nach Rahmenbedingungen und individuellem Kontext. Personen, die Pflegebedürftige mit Demenz pflegen, sind zudem signifikant stärker belastet. Die große Mehrheit der pflegenden Angehörigen (80 Prozent und mehr) zieht aber auch Kraft aus der Pflege und fühlt sich in der Lage, die Pflege gut zu bewältigen. Als Beweggrund für die Übernahme der Pflege geben ältere Pflegende sehr viel häufiger Pflichtgefühl und Familienzusammenhalt an als jüngere Angehörige. Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Pflegenden ist berufstätig. Davon hat jeder Dritte seine Arbeitszeit aufgrund der Pflegesituation reduziert und ebenfalls fällt es jedem Dritten schwer, Beruf und Pflegetätigkeit zu vereinbaren. Zudem werden überraschend viele Entlastungs- und Beratungsangebote nicht genutzt oder sie sind nicht bekannt.

Die ersten Ergebnisse sind in der Reihe WINEG Wissen 2014 publiziert.

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Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 16.03.2016