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Erarbeitung von Empfehlungen für Begutachtungs-, Förder- und Evaluationskriterien für Projekte aus dem Innovationsfonds

Eine Delphi-Studie zur Priorisierung und Konsentierung unter Beteiligung der unterschiedlichen Interessengruppen

 

Projektkennung VfD_15_003561
Laufzeit von 01/2015 bis 05/2015
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Sind für die Vergabe von Fördermitteln an Projekte des Innovationsfonds Begutachtungs-, Förder- und/oder Evaluationskriterien erforderlich und wenn ja, um welche Kriterien handelt es sich?
Hintergrund / Ziele In dem durch das Bundeskabinett am 17. Dezember 2014 beschlossenen Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz) wurde vorgesehen, zur Förderung von Innovationen in der Versorgung und von Versorgungsforschung einen Innovationsfonds beim Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) mit einem Volumen von 300 Mio. Euro jährlich (zunächst in den Jahren 2016 bis 2019) einzurichten.

75% der Gelder des Innovationsfonds sollen für die Durchführung und Evaluation neuer, über die bisherige Regelversorgung hinausgehender Versorgungsformen verwendet werden, die ein hinreichendes Potential aufweisen, in die Regelversorgung überführt zu werden. Insbesondere sollen sektorenübergreifende Modellvorhaben zur Verbesserung der Versorgung oder Steigerung der Versorgungseffizienz gefördert werden. Die Überprüfung des Grades der Zielerreichung und der Übertragbarkeit in die Regelversorgung soll anhand einer wissenschaftlichen Begleitung und Auswertung erfolgen.

25% der Gelder des Innovationsfonds sollen für die Förderung der Versorgungsforschung zum Erkenntnisgewinn zur Verbesserung der bestehenden Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung verwendet werden.

Der Innovationsfonds bietet für das deutsche Gesundheitssystem die hervorragende Möglichkeit, Versorgungsmodelle und -strukturen in angemessenem Rahmen einer wissenschaftlichen Überprüfung zu unterziehen, bevor sie in die Regelversorgung überführt werden. Dies stellt einen wichtigen Schritt hin zu einer evidenzbasierten Gesundheitsversorgung und Gesundheitspolitik dar, wie sie international in weit entwickelten Gesundheitssystemen (z.B. USA, Großbritannien) bereits praktiziert wird.

Um diese Chance, d.h. die Mittel aus dem Innovationsfonds effektiv, gerecht und nachhaltig zu nutzen, müssen die Auswahl, die Durchführung und die Evaluation von Förderprojekten sowie die Entscheidung für oder gegen die Überführung von Modellvorhaben in die Regelversorgung unter allen Interessengruppen inkl. den Nutzern des Gesundheitssystems transparent, nach einheitlichen Kriterien und methodisch auf dem höchsten wissenschaftlichen Niveau erfolgen.

Für die Vergabe und Beauftragung der finanziellen Mittel des Innovationsfonds soll ein Innovationsausschuss mit einer fachlich unabhängigen Geschäftsstelle eingerichtet werden. Der Innovationsausschuss soll analog dem GBA-Vorstand sowie zwei BMG-Vertretern und 1 BMBF-Vertreter besetzt werden, so dass Kostenträger, Leistungserbringer und die Gesundheitspolitik an der Entscheidung über die Vergabe der Mittel aus dem Innovationsfonds beteiligt sein werden.

Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung (DNVF) sieht sich in der Pflicht, einen Beitrag für eine möglichst effektive, effiziente, gerechte, transparente und nachhaltige Vergabe der Mittel aus dem Innovationsfonds zu leisten, um die als historisch zu bezeichnende Chance einer breiten, evidenzgeleiteten Systeminnovation im deutschen Gesundheitssystem wahrzunehmen.

Ziel des Projekts ist es, mittels eines iterativen Delphi-Prozesses unter Beteiligung aller relevanten Interessenvertreter d.h. von Patientenvertretern, Kostenträgern, Leistungserbringern, der Gesundheitspolitik und der Wissenschaft auf transparente Weise Empfehlungen für Begutachtungs-, Förder- und Evaluationskriterien für Projekte aus dem Innovationsfonds zu erarbeiten.

Das Delphi Verfahren ermöglicht es, die Perspektive der Interessengruppen abzubilden, gemeinsame Präferenzen herauszustellen und im günstigsten Fall einen Konsens zu wesentlichen Empfehlungen für Begutachtungs-, Förder- und Evaluationskriterien zu erzielen.

Diese Empfehlungen sollen dem Innovationsausschuss als eine mögliche Ressource dienen.

Aus der Perspektive der Gesundheitssystemforschung sind die im Rahmen des Projekts zu entwickelnden expliziten, a priori konstatierten Empfehlungen wichtig, um den Effekt des Innovationsfonds auf das deutsche Gesundheitssystem evaluieren zu können.
Methodik Die Studie wird als Delphi Verfahren mit drei iterativen Befragungsrunden durchgeführt. Die Befragung erfolgt elektronisch. Das Projekt wird durch den Vorstand des DNVF, vertreten durch Prof. H. Pfaff, Prof. J. Schmitt und Dr. G. Nellessen-Martens konzipiert und koordiniert.

Als Delphi Panel werden jeweils zwölf Repräsentanten der folgenden Interessengruppen eingeladen:
- Gesundheits- und Forschungspolitik
- Kostenträger (GKV)
- Patientenvertreter
- Leistungserbringer
- Wissenschaft
Die Panelmitglieder werden nicht namentlich eingeladen, sondern die jeweiligen Organisationen/Institutionen werden angefragt, eine bestimmte Anzahl an Vertretern zur Teilnahme zu bestimmen.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung online  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Qualitative Studie
Untersuchte Geschlechter nicht untersucht
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse 37 der 40 (93 %) nominierten Teilnehmer nahmen an mindestens einer Befragungsrunde teil. Die Teilnehmerrate betrug 85% (n=34) in den beiden ersten Befragungsrunden und 75% (n=30) in der dritten Befragungsrunde.

Priorisierte Themenfelder für den Innovationsfonds
Insgesamt wurden 28 thematische Kriterien priorisiert, die v.a. die Bereiche Multimorbidität, Chronizität und chancengleicher Zugang im Gesundheitssystem, Koordination und Integration der verschiedenen Sektoren und Leistungserbringer sowie der Bereich Qualität und Sicherheit der Versorgung umfassen. Darunter fallen vor allem Projekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit bei multimorbiden Patienten (79% „hohe Relevanz“), Projekte zur Verbesserung der Versorgung in strukturschwachen Gebieten (76%), Projekte zur strukturierten Arbeitsteilung in der medizinischen und pflegerischen Versorgung (71%) und die Verbesserung der vertikalen und horizontalen Kooperation (68%) und Kommunikation (68%) zwischen Leistungserbringern.

Priorisierte Empfehlungen für Begutachtungs-, Förder- und Evaluationskriterien für Projekte aus dem Innovationsfonds
Als methodische Anforderungen für Projekte aus dem Innovationsfonds wurden 13 Kriterien konsentiert. Diese umfassen bspw. eine spezifische, sinnvoll eingegrenzte Fragestellung (91%) mit entsprechenden Arbeitshypothesen (88%) sowie die Anwendung angemessener wissenschaftlicher Methoden (91%). Die Begutachtung von Projektanträgen sollte anhand eines Peer Review-Verfahrens (82%) erfolgen. Gutachter sollten ihre Interessenkonflikte offen legen (100%), unabhängig gegenüber Leistungserbringern und Kostenträgern sein (76%), methodisch (85%) und klinisch (65%) auf dem Gebiet vertraut und sich durch methodische und fachlich-inhaltliche Kompetenz ausweisen (94%).
Für die Eignung der Antragssteller sind die Transparenz bzgl. der Trägerschaft und deren potenzieller Interessenskonflikte (88%) von hoher Relevanz. Es wurde weiterhin konsentiert, eine Förderung industrieller Interessen auszuschließen (74%).
Für das Evaluationskonzept sollte die Akzeptanz der Patienten bzgl. des untersuchten Versorgungskonzepts (76%) erfolgen, die Durchführung der Evaluation gesichert (65%) sowie vollständig und transparent erfolgen (68%). Die Verwertung der Ergebnisse der Evaluation sollte ergebnisunabhängig und vollständig veröffentlicht (94%) und dem Fach- und Laienpublikum adäquat kommuniziert (85%) werden. Weiterhin sollte das untersuchte Versorgungskonzept das Potenzial zur dauerhaften Anwendung in der Routineversorgung aufweisen (94%), geeignet sein, die Versorgungsqualität (91%) und die Versorgungseffizienz (65%) zu verbessern und ein bestehendes Versorgungsdefizit zu beheben (97%).

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 24.11.2015