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Strukturelle Voraussetzungen zur Überwindung von Sprachbarrieren an Kinderkliniken in Nordrhein-Westfalen – ein Cross-sectional Survey

 

Projektkennung VfD_14_003611
Laufzeit von 09/2014 bis 10/2015
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Wie sind Kinderkliniken strukturell und als Organisationen auf die Überwindung von Sprachbarrieren in der Kommunikation mit Patienten und Angehörigen vorbereitet? Im Rahmen der Untersuchung wird ein Fragebogen erprobt und deskriptive Daten über die Situation Kinderkliniken in Nordrhein-Westfalen erhoben.
Hintergrund / Ziele Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund unter 5 Jahren liegt bundesweit bei 35%, in NRW bei 43%. Häufig sind mit dem Migrationshintergrund unzureichende Deutschkenntnisse bei einem oder beiden Elternteilen verbunden. Gegenseitiges Verstehen und gelungene Kommunikation sind die Grundlage für nahezu jede medizinische Behandlung und essentieller Bestandteil einer integrierten und personalisierten Gesundheitsversorgung. Probleme in der Kommunikation aufgrund von Sprachbarrieren sind assoziiert mit häufigeren medizinischen Fehlern, unnötigen diagnostischen Tests, längerer Klinikverweildauer, geringerer Compliance und geringerer Zufriedenheit bei Patienten und Ärzten. Weder von Seiten des Gesetzgebers noch der ärztlichen Selbstverwaltung gibt es bislang Richtlinien, die vorgeben, welche strukturellen Voraussetzungen Kliniken erfüllen müssen, um den Anforderungen einer diversen Bevölkerung mit multiplen Sprachhintergründen gerecht zu werden.
Im vorliegenden Projekt wird untersucht, über welche strukturellen Voraussetzungen zur Überwindung von Sprachbarrieren in der Betreuung von Patienten und Familien mit unzureichenden Deutschkenntnissen die Kinderkliniken in Nordrhein-Westfalen verfügen und wie diese im Verhältnis zu Standards in Ländern, wie z.B. den USA oder dem Vereinigten Königreich zu bewerten sind.
Das Ziel ist die Verbesserung der Kommunikation zwischen Gesundheitsberufen und Patienten mit Sprachbarrieren durch praxisnahe Konzeptvorschläge.
Methodik Das Projekt ist als Kooperation zwischen dem Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, Helios Klinikum Wuppertal und dem Lehrstuhl für Gesundheitssystemforschung an der Universität Witten/Herdecke angelegt. Auf diese Weise werden die Erfahrungen des Antragsstellers aus der klinischen Tätigkeit und der Beschäftigung mit dem Thema „Sprachbarrieren in der Patientenversorgung“ und die methodische Expertise des Lehrstuhls in der Erforschung von strukturellen Merkmalen des Systems der Patientenversorgung gebündelt.
Es wird eine schriftliche Querschnittsbefragung aller Kinderkliniken in Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Durch eine telefonische Vorab-Anfrage wird eine Auskunftsperson der Klinik ermittelt, die zum Thema der Untersuchung am besten Auskunft geben kann. Dieser Person wird ein Fragebogen per Post oder Email zugesandt.
Der Fragebogen enthält Items aus einer vergleichbaren Untersuchung in den USA (Diamond et al. Med Care. 2010) und wird an die Situation in Deutschland angepasst und ergänzt. Im Rahmen der Entwicklung wird das Instrument im Rahmen einer Pilottestung an den Kinderkliniken in Wuppertal, Datteln und Herdecke getestet. Die antwortende Person erhält als Anerkennung des Aufwandes ein Buch im Wert von bis zu €20.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung online  (Stichprobengröße: 76)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter nicht untersucht
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Einleitung
Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund (<5 Jahre) liegt bundesweit bei 35%, in Nordrhein-Westfalen (NRW) bei 43%. Häufig sind mit dem Migrationshintergrund unzureichende Deutschkenntnisse bei einem oder beiden Elternteilen verbunden. Gegenseitiges Verstehen und gelungene Kommunikation sind die Grundlage für nahezu jede medizinische Behandlung und Voraussetzung für den Zugang zur Perspektive des Anderen. Demgegenüber sind Kommunikationsprobleme durch Sprachbarrieren assoziiert mit häufigeren medizinischen Fehlern, unnötigen Untersuchungen, längerer Klinikverweildauer, geringerer Adhärenz und geringerer Zufriedenheit bei Patienten und Ärzt/innen. Wir untersuchten, wie in Kinderkliniken Sprachbarrieren erkannt, dokumentiert und welche Maßnahmen daraus abgeleitet werden, wie z.B. der Einsatz von Dolmetschern oder fremdsprachiger Informationsmaterialien.

Methode
Im Zeitraum April-September 2015 führten wir eine explorative, schriftliche Querschnittsbefragung aller Kinderkliniken in NRW durch (n=76). Die Fragebogenentwicklung orientierte sich an einer Studie aus den USA (Diamond et al. 2010). Das Instrument wurde in einem zirkulären Diskussionsprozess mit Experten aus den Bereichen Gesundheitssystemforschung, Sprachwissenschaften, quantitativer Sozialforschung und Pädiatrie überarbeitet und an die deutschen Gegebenheiten angepasst. Nach einer Testung durch Pilotinterviews erfolgt die Datenerhebung. Die Auswertung erfolgt mit Methoden der deskriptiven Statistik.

Ergebnisse
Die Mit der Studie lassen sich erstmals in Deutschland strukturelle Qualitätsmerkmale bezüglich der Überwindung von Sprachbarrieren an Kinderkliniken beschreiben. Erwartet wird ein Spektrum von Strategien, mit denen Kliniken auf die Herausforderungen durch Sprachbarrieren reagieren. Im Rahmen des Pilotprojekts werden Hypothesen entwickelt, welche Faktoren einen Einfluss auf die Strukturqualität von Kinderkliniken haben, wie z.B. die Häufigkeit von Sprachbarrieren in einer Klinik, interkulturelle Öffnung als Unternehmensziel sowie die Größe und Lage der Klinik.

Diskussion
Die Möglichkeiten zur kulturell-sensiblen Kommunikation in einer individuellen Begegnung zwischen Behandler/in und Patient/in, hängen in vielen Fällen von den strukturellen Voraussetzungen zur Überwindung von Sprachbarrieren ab. Diese Arbeit leistet einen Beitrag zur Frage wie Patienten/Angehörige und Behandler auf dem Weg zu einer besseren Kommunikation über sprachliche Barrieren und kulturelle Unterschiede hinweg institutionell unterstützt werden können.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 20.06.2016