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RHESA - Regionales Herzinfarktregister Sachsen-Anhalt

 

Projektkennung VfD_RHESA_13_003647
Laufzeit von 01/2013, fortlaufend
Webseitehttp://www.medizin.uni-halle.de/rhesa/
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Ziel des RHESA Herzinfarktregisters ist es, in definierten Regionen (Stadt Halle und Altmark) des Landes Sachsen-Anhalt eine regionale Herzinfarktregistrierung durchzuführen. Diese Registrierung ermöglicht es, eine Vielzahl von Fragen zum Vorkommen und zur medizinischen Versorgung von Herzinfarkten zu beantworten.
Hintergrund / Ziele Hintergrund:
In Deutschland ist die Mortalitätsrate der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Der Rückgang entspricht dem auch in vielen anderen westlichen Industrienationen beobachteten Trend (u.a. Kestleloot et al. 2006). Im Jahr 1990 waren ca. 50% aller Sterbefälle in Deutschland auf Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems zurück zu führen. 2007 traf dies noch auf 43% zu. In Ostdeutschland ist die altersstandardisierte kardiovaskuläre Mortalitätsrate jedoch nach wie vor höher als in Westdeutschland (RKI 2009).
Laut offizieller Todesursachenstatistik gibt es in Bezug auf die Mortalität am akuten Myokardinfarkt erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die Mortalitätsrate für den akuten Herzinfarkt lag im Jahr 2011 im Bundesland Sachsen-Anhalt nach Altersstandardisierung bei 65 Sterbefällen pro 100.000 Einwohner. Im Vergleich dazu lag diese in Bayern bei 43 pro 100.000 Einwohner, der Bundesdurchschnitt lag bei 44 pro 100.000 Einwohner (www.gbe-bund.de). Die altersstandardisierte Sterblichkeit bei Herzinfarkt lag damit in Sachsen-Anhalt 46% über und in Bayern 2% unter dem Bundesdurchschnitt. Sachsen-Anhalt nahm im Jahr 2011 zusammen mit Brandenburg bundesweit die Spitzenposition hinsichtlich der Herzinfarktsterblichkeit ein (Deutscher Herzbericht, 2013).
Multiple Faktoren könnten zu dieser überdurchschnittlichen Sterblichkeit beitragen:
1. Die Prävalenz von Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen ist in den neuen Bundesländern und insbesondere in Sachsen-Anhalt besonders hoch (Stang&Stang 2014).
2. Die strukturellen Voraussetzungen einer optimalen Behandlung im prähospitalen und hospitalen Bereich könnten nicht hinreichend gegeben sein (z.B. Struktur des Rettungsdienstes, Zugang zu Herzkatheter-Laboren, Anteil qualifizierter Ersthelfer in der Bevölkerung etc.).
3. Die prä- und intrahospitale sowie postakute Prozess-Qualität in der Versorgung könnte unzureichend sein (z.B. Erkennen der Notfallsituation und Alarmierung des Rettungsdienstes, zu lange Zeiten zwischen erstem Symptom und Behandlung).
Die Etablierung eines regionalen bevölkerungsbezogenen Herzinfarktregisters ist ein zentraler Schritt zur Reduktion der Herzinfarktmortalität im Land Sachsen-Anhalt. Ein bevölkerungsbasiertes Herzinfarktregister ist in der Lage, das Morbiditäts- und Mortalitätsgeschehen in einer definierten Region abzubilden und wesentliche Aufschlüsse zu den o.g. Faktoren zu liefern. Damit ist es letztendlich möglich, problem-orientiert die Qualitätssicherung der Versorgung von Herzinfarktpatienten nach wissenschaftlichen Kriterien zu steuern. Dies wird durch das etablierte bevölkerungsbasierte KORA Herzinfarktregister Augsburg belegt.
Obwohl bestimmte Routinedaten (z.B. Gesundheitsberichterstattung, Krankenhausstatistik, Krankenkassendaten) gewisse Anhalte zu den Ursachen der überdurchschnittlich hohen Herzinfarktmortalität im Land Sachsen-Anhalt liefern, reichen diese Daten jedoch nicht aus, um gezielte Maßnahmen zur Senkung der Herzinfarktmortalität einzuleiten.
Die Einrichtung eines regionalen Herzinfarktregisters ist daher notwendig, um der Frage nachzugehen, durch welche prozessualen und/oder strukturellen Maßnahmen sich die überdurchschnittlich hohe Mortalität am akuten Herzinfarkt im Land Sachsen-Anhalt senken lässt.
Ziel ist es, in einer städtischen und ländlichen Wohnbevölkerung des Landes Sachsen-Anhalt eine regionale bevölkerungsbezogene Registrierung aller sich ereignenden tödlichen und nicht-tödlichen Herzinfarkte zu etablieren. Die Herzinfarktregister-Daten ermöglichen:
1) Die Bewertung verschiedener Qualitätsebenen in der Versorgung von Herzinfarktpatienten:
• Struktur-Qualität (z.B. hinreichende Kapazität von Katheterplätzen, Intensiv- und kardiologischen Krankenhausbetten, kardiochirurgischen Abteilungen und Betten, Notarztsystem)
• Prozess-Qualität (z.B. Zeiten zwischen ersten Symptomen, Aufnahme in Notaufnahme und kardialer Intervention in Anlehnung an KORA)
• Ergebnis-Qualität (z.B. prähospitale Sterblichkeit, Sterblichkeit in den ersten 24 Stunden nach Aufnahme, 2.-28. Tage Krankenhaussterblichkeit in Anlehnung an KORA ).

2) Die Erstellung eines Risiko- und Versorgungsprofils der Herzinfarktpatienten. Es werden in Anlehnung an KORA von jedem registrierten Herzinfarktpatienten kardiovaskuläre Risikofaktoren (z.B. Hypertonie, Diabetes mellitus, Hypercholesterinämie, Rauchverhalten), Komorbiditäten, sowie Behandlungsdaten (z.B. Art der Intervention, Medikation) erhoben.

3) Detaillierte Aussagen zu strukturellen und individuellen Faktoren vor, während und nach dem Herzinfarktereignis. Durch ein regelmäßiges Follow-up der namentlich registrierten Herzinfarkt-patienten werden u.a. klassische und psychosoziale kardiovaskuläre Risikofaktoren, auftretende Erkrankungen und Medikation erhoben. Dies geschieht u.a. in Anlehnung an KORA. Das Follow-up, namentlich die RHESA CARE Studie, befindet sich derzeit im Aufbau.
Methodik Registerpopulation
Eine städtische (Einwohner der Stadt Halle) und eine ländliche Bevölkerung (Einwohner der Region Altmark) stellen die Registerpopulation von 345.120 Menschen im Alter von 25 Jahren und mehr. Erwartet werden darin rund 1.700 Herzinfarkte pro Jahr.

Methoden
Für die Herzinfarktregister-Regionen werden Mortalitäts- und Letalitätsparameter (Prähospitalmortalität, Letalität <48h, 28 und 365 Tage) sowie Versorgungsparameter (u.a. pain to contact, contact to balloon, door to balloon) für ST Hebungsinfarkte und Nicht ST Hebungsinfarkte ermittelt. Des weiteren werden Parameter der Struktur-und Prozessqualität wie Kapazität von Katheterplätzen, Intensiv- und kardiologischen Krankenhausbetten, kardiochirurgischen Abteilungen und Betten, Notarztsystem, Notfallmaßnahmen in der Prähospitalphase sowie kardiale Interventionen untersucht.
Registriert werden überlebte und tödliche Herzinfarkte. Überlebte Infarkte werden durch 16 meldende Krankenhäuser an das RHESA übermittelt. Tödliche Infarkte werden von Gesundheitsämtern der Registerregion in Kooperation mit den leichenschauenden Ärzten und Hausärzten an das RHESA gemeldet.
Datenbasis Primärdaten
   Fallmeldung  (Stichprobengröße: 1.700)
Sekundärdaten
   Notärzte  (Stichprobengröße: 500)
Studiendesign Bevölkerungsbezogenes Register
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 25 bis 99 Jahre
Ergebnisse --

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 22.06.2015