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Vernetzte Versorgung 13+1 - Strukturen und Prozesse einer effektiven und bedürfnisorientierten sektorenübergreifenden vernetzten Versorgung für Menschen mit psychischen Störungen.

 

Projektkennung VfD_Vernetzte_Versor_13_003725
Laufzeit von 04/2013 bis 04/2016
Webseitehttps://www.aqua-institut.de/de/projekte/evaluation-forschung/vernetzte-versorgung-13-1.html
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Welche Versorgungsstrukturen und -prozesse müssen kooperative Versorgungsnetzwerke in Deutschland für Menschen mit psychischen Störungen aufweisen, damit sie effektiv sind und sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren?
Welche Erwartungen, Bedürfnisse und Hoffnungen haben Patienten, deren Angehörige und Mitarbeiter in Bezug auf die Versorgung und die Koopera-tionsbeziehungen der Leistungserbringer in einem Netzwerk? Welche Prozesse tragen dazu bei, dass sich diese Erwartungen, Bedürfnisse und Hoffnungen der Patienten erfüllen bzw. nicht erfüllen?
Hintergrund / Ziele Zahlreiche Studien und Übersichtsarbeiten konnten zeigen, dass ambulante vernetzte (integrierte) Versorgung, kombiniert mit Fallmanagement und aufsuchender Betreuung (wie bei Assertive Community Treatment, Need-Adapted-Treatment) das Potenzial hat, die Inanspruchnahme von stationärer Versorgung bei psychisch kranken Menschen zu verringern, ihr psychosoziales Funktionsniveau zu verbessern, Zufriedenheit mit der Versorgung zu steigern und die Suizidrate von psychiatrischen Patienten zu senken (While et al. 2012; Dieterich et al. 2010; Burns et al. 2007). Die meisten vernetzten Versorgungsmodelle in der Versorgung psychisch kranker erwachsener Menschen in Deutschland bieten in der einen oder anderen Form multidisziplinäre Versorgungsteams, aufsuchende Versorgung (Home Treatment) und Fallmanagement an (Bramesfeld et al. 2012). Abgesehen von diesen Ähnlichkeiten unterscheiden sie sich in ihrer regionalen, strukturellen und prozessualen Ausgestaltung.
Die Effektivität von vernetzter Versorgung psychisch erkrankter Menschen hängt aber unter anderem von der Gestaltung ihrer Strukturen und Prozesse ab (Burns et al. 2002). Angelsächsische Studien konnten z.B. zeigen, dass folgende Struktur- und Prozessfaktoren relevant für einen guten Outcome der Versorgung sind: eine geringe Falldichte pro Fallmanager, regelmäßige und häufige Hausbesuche, Verantwortlichkeit des Teams für sowohl medizinische als auch soziale Belange, multidisziplinäre Teams und die Integration von Fachpsychiatern ins Team (Burns et al. 2006).

Dass vernetzte Versorgung psychisch kranker Menschen auch im Kontext des deutschen Gesundheitswesens effektiv sein kann, konnte bereits nachgewiesen werden (Mayer-Amberg et al. 2016; Kästner et al. 2015; Fischer et al. 2014; Lambert et al. 2010). Auch die deutsche S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei Menschen mit psychischen Erkrankungen empfiehlt eine Versorgung innerhalb gemeindepsychiatrischer, multiprofessioneller ambulanter Teams, die wohnortnah und erforderlichenfalls aufsuchend arbeiten (DGPPN 2011).
Bisher ist aber nicht hinreichend bekannt, welche Strukturen und Prozesse in einer vernetzten (integrierten) Versorgung psychisch kranker Menschen im Kontext des deutschen Gesundheitswesens für die Effektivität dieser Versorgungsform relevant sind und welche Prozesse dort zu einer besseren Befriedigung der Patientenbedarfe und -bedürfnisse führen. Gleichzeitig verbreiten sich zunehmend Modellprojekte der vernetzten Versorgung für psychisch kranke Menschen. Die Beantwortung der gestellten Forschungsfragen wird helfen, die in diesem Bereich fehlende Evidenz zu schaffen und dringend benötigte Empfehlungen zur Struktur- und Prozessqualität vernetzter Versorgungsformen geben zu können.

Literatur:
Bramesfeld, A; Amelung, V (2012). Integrierte Versorgung und Kontinuität in der Versorgung psychisch kranker Menschen. In: Soziale Psychiatrie. Das Handbuch für den Praktiker. Rössler, W; Kawohl, W (Eds.). Stuttgart: W. Kohlhammer: 150-161.
Burns, A; Catty, J; Watt, H; Wright, C; Knapp, M; Henderson, J (2002). International differences in home treatment for mental health problems. Results of a systematic review. British Journal of Psychiatry 181: 375-382.
Burns, T; Catty, D; Dash, M; Roberts, C; Lockwood, A; Marshall, M (2007). Use of intensive case management to reduce time in hospital in people with severe mental illness: systematic review and meta-regression. BMJ (Online) doi:10.1136/bmj.39251.599259.55: 1-7.
Burns, T; Catty, J; Wright, C (2006). Deconstructing home-based care for mental illness: Can one identify the effective ingredients? Acta Psychiatrica Scandinavica 113(SUPPL. 429): 33-35.
DGPPN (2011). S3-Leitlinie Psychosoziale Therapien bei Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Fassung vom 11.11.2011 (Langversion). Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde.
Dieterich, M; Irving, CB; Park, B; Marshall, M (2010). Intensive case management for severe mental illness. Cochrane Database Syst Rev 10: CD007906.
Fischer, F; Hoffmann, K; Mönter, N; Walle, M; Beneke, R; Negenborn, S; Weinmann, S; Willich, SN; Berghöfer, A (2014). Kostenevaluation eines Modells der Integrierten Versorgung für schwer psychisch Kranke. Gesundheitswesen 76(6): 86-95.
Kästner, D; Büchtemann, D; Warnke, I; Radisch, J; Baumgardt, J; Giersberg, S; Kopke, K; Moock, J; Kawohl, W; Rössler, W (2015). Clinical and funcitional outcome of assertive outreach for patients with schizophrenic disorder: Resuls of a quasi-experimental controlled trial. Eur Psychiatry 30(6): 736-742.
Lambert, M; Bock, T; Schottle, D; Golks, D; Meister, K; Rietschel, L; Bussopulos, A; Frieling, M; Schodlbauer, M; Burlon, M; Huber, CG; Ohm, G; Pakrasi, M; Chirazi-Stark, MS; Naber, D; Schimmelmann, BG (2010). Assertive community treatment as part of integrated care versus standard care: a 12-month trial in patients with first- and multiple-episode schizophrenia spectrum disorders treated with quetiapine immediate release (ACCESS trial). Journal of Clinical Psychiatry 71(10): 1313-23.
Mayer-Amberg, N; Woltmann, R; Walther, S (2016). An Integrated Care Initiative to Improve Patient Outcome in Schizophrenia. Front Psychiatry 6: 184.
While, D; Bickley, H; Roscoe, A; Windfuhr, K; Rahman, S; Shaw, J; Appleby, L; Kapur, N (2012). Implementation of mental health service recommendations in England and Wales and suicide rates, 1997-2006: a cross-sectional and before-and-after observational study. Lancet 379(9820): 1005-12.
Methodik Zur Erarbeitung von fördernden Faktoren und zur Ermittlung von Barrieren für erfolgreiche Netzwerke werden sowohl in einem quantitativen als auch in einem qualitativen Vorgehen Strukturen, Prozesse und patientenbezogene Ergebnisse (Outcomes) der Netzwerke erhoben. In der anschließenden Auswertung der Daten wird durch Mehrebenenanalysen bestimmt, welche Strukturen und Prozesse die Outcomes der Netzwerke beeinflussen.

Konkret werden in dem Forschungsvorhaben vier Ansätze verfolgt:

1. Quantitativer Ansatz: Anhand von Sozialdaten, Befragungen sowie Informationen aus den NWpG-Qualitätsberichten (jährliche Berichte der Netzwerke an die Techniker Krankenkasse) werden die Strukturen und Prozesse der Netzwerke erhoben. Aus Routineerhebungen der Lebensqualität und Funktionalität sowie den der Techniker Krankenkasse vorliegenden Sozialdaten werden die patientenbezogenen Ergebnisse ermittelt. Die Strukturen und Prozesse sollen anschließend den patientenbezogenen Ergebnissen gegenübergestellt werden, um Faktoren für erfolgreiche Netzwerke (Netzwerke, die eine Verbesserung in den patientenbezogenen Ergebnissen erreichen) zu identifizieren.

2. Qualitativer Ansatz: Es werden Fokusgruppen mit Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern durchgeführt. Ziel der Fokusgruppen ist es, Prozesse zu identifizieren, die zur Erfüllung der Bedürfnisse und Erwartungen der Beteiligten beitragen.

3. Feedback: Die Ergebnisse der Analysen werden in individuellen Qualitätsberichten an die Netzwerke zurückgemeldet. Hierbei werden die Ergebnisse des jeweiligen Netzwerks im Vergleich zu den anderen Netzwerken dargestellt. In anschließenden Besuchen werden die Ergebnisse mit jedem Netzwerk individuell diskutiert und auf Wunsch gemeinsam individuelle Optimierungspotenziale erarbeitet.

4. Dissemination der Ergebnisse: Neben dem Publizieren von Ergebnissen in Fachzeitschriften und auf Kongressen wird ein Expertenworkshop mit Akteure, Experten und Interessierten durchgeführt. Zu diesem Workshop werden die Ergebnisse der ersten drei Ansätze öffentlich präsentiert und gemeinsam mit den Teilnehmern diskutiert.

Anhand der Ergebnisse der vier Ansätze (quantitative Ergebnisse, qualitative Ergebnisse, Rückmeldungen der Netzwerke zum Feedback, Expertenworkshop) werden Empfehlungen zu Strukturen und Prozessen formuliert, die ein Netzwerk aufweisen muss, um bestmögliche Effektivität und eine Orientierung an den Bedürfnissen der Patienten und Angehörigen erzielen zu können.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 19)
   Befragung online  (Stichprobengröße: 321)
   Gruppendiskussion/Fokusgruppe  (Stichprobengröße: 103)
Sekundärdaten
   Versicherte der Techniker Krankenkasse  (Stichprobengröße: 11.500)
Studiendesign Mixed-Method Studie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Die am 16. März 20106 auf der Ergebniskonferenz vorgestellten Ergebnisse können unter folgenden Link eingesehen werden:
https://www.aqua-institut.de/de/projekte/evaluation-forschung/vernetzte-versorgung-13-1.html

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 24.03.2016