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GegeBe - Modellversuch „Gesundheitsuntersuchung für Menschen mit geistiger Behinderung“

 

Projektkennung VfD_GegeBe_15_003823
Laufzeit von 06/2015 bis 03/2017
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Inanspruchnahmeverhalten medizinischer und präventiver Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung erheben.
Barrieren und förderliche Faktoren der Inanspruchnahme medizinischer und präventiver Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung erheben.
Morbidität von Menschen mit geistiger Behinderung erheben.
Bewertung einer durchgeführten standardisierten Gesundheitsuntersuchung in der Werkstatt mit einer durchgeführten standardisierten Gesundheitsuntersuchung in der Praxis des Hausarztes zu vergleichen.
Hintergrund / Ziele Die 22. Landesgesundheitskonferenz (LGK) NRW hat sich im Jahr 2013 dem Thema "Von der Integration zur Inklusion: Gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen“ gewidmet. In Bezug auf Menschen mit geistiger Behinderung fasst die Entschließung der LGK den Stand der Forschung wie folgt zusammen: „Menschen mit Behinderungen weisen eine erhöhte Morbidität und Mortalität auf. Die Mortalität durch vermeidbare Ursachen liegt z.B. bei Menschen mit geistiger Behinderung dreifach höher als in der allgemeinen Bevölkerung. Sie weisen außerdem überdurchschnittlich häufig eine Komorbidität auf. Dies beruht nicht allein auf behinderungsspezifischen Faktoren, sondern auch auf der (zu) späten Diagnose von in der Bevölkerung häufig auftretenden chronischen Erkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Demenz oder auch akuten Erkrankungen (z.B. Appendizitis). Mitverantwort¬lich hierfür sind einerseits die begrenzten oder fehlenden Möglichkeiten insbesondere von Menschen mit geistiger Behinderung, Krankheitssymptome und deren Relevanz zu deuten, andererseits das Gesundheitssystem selbst, das in weiten Teilen darauf ausgerichtet ist, dass Erkrankte von sich aus gesundheitliche Unterstützung suchen.“ [MGEPA 2013] Die zugrunde liegenden Probleme der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung müssen als multifaktoriell verursacht anerkannt werden: Auf Seiten der Betroffenen selber sind zu nennen, dass zum Teil die Symptome nicht beachtet oder erkannt werden, diese eventuell nicht kommuniziert werden können, deren medizinische Implikationen nicht erkannt werden, die Abklärung nicht eingefordert wird, die aktive Mitarbeit an diagnostischen oder therapeu-tischen Maßnahmen nicht gelingt oder das Krankheitsbild mit verändertem Erscheinungsbild und Verlauf auftreten kann.
Auf Seiten der familiären und professionellen Betreuer wäre zu nennen, dass diese ebenfalls Symptome eventuell nicht beachten oder erkennen und diese nicht einer Diagnostik und Therapie zuführen. Zudem sind Barrieren der Inanspruchnahme medizinischer sowie präven¬tiver Angebote (§ 20 SGB V) im Bereich der Versorgungsstrukturen vorhanden, wobei unter anderen Transportpro-bleme, fehlende etablierte Netzwerke und Kompetenzzentren sowie fehlende Ressourcen feststell-bar sind.
Zuletzt müssen aber auch Probleme bei den Leistungserbringern erwähnt werden. Diese bestehen unter anderem darin, dass Erfahrungen und Fertigkeiten im Umgang mit Patienten mit Behinderung fehlen, wodurch die Kommunikation und Interaktion gestört und Berührungsängste verursacht werden. Weiterhin sind oftmals unzureichende Kenntnisse und Erfahrungen mit speziellen medizinischen Problemen von Menschen mit geistiger Behinderung zu beklagen, wobei spezielle Syndrome eventuell ein unterschiedliches Vorgehen bei der Anamnese, Untersuchung, Diagnose, Therapie, Prävention und Rehabilitation sowie eine stärkere interprofessionelle Arbeit verlangen. Hierzu fehlen ofmtals auch spezifische Leitlinien. Viele Ärzte und weitere Angehörige von Gesund-heitsfachberufen sind nicht qualifiziert in Bezug auf Bedarfe von Behinderten und die besonderen sozialen und rechtlichen Aspekte, die bei deren Behandlung zu beachten sind. Zuletzt fördern noch die Dominanz einer reaktiven Behandlung und knappe Zeitressourcen die Probleme bei der Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung.
Zur Überwindung der Problematik der unzureichenden medizinischen Versorgung wird vor allem im angelsächsischen Raum seit einigen Jahren das Modell einer strukturierten Gesundheitsuntersu-chung für Menschen mit geistiger Behinderung erprobt. In einer systematischen Literaturanalyse stellten Robertson et al. fest, dass solche strukturierten Gesundheitsuntersuchungen allgemein in der Lage sind, bisher unentdeckte Gesundheitsbedarfe zu identifizieren und einer geeigneten Therapie zuzuführen [Robertson et al. 2011]. Als Nebeneffekt der Einführung einer strukturierten Gesund-heitsuntersuchung berichten Lennox et al. eine gesteigerte Sensibilisierung des medizinischen Personals für die gesundheitlichen Belange von Menschen mit geistiger Behinderung [Lennox et al. 2006]. Die gesundheitspolitische Relevanz der Fragestellung ist offensichtlich. Das Modellprojekt dient der Erprobung einer Maßnahme, wie sie auf der Grundlage der UN-BRK von der 22. LGK NRW gefordert wird.
Methodik Das Projekt ist als querschnittliche Beobachtungsstudie konzipiert, die als pilotierende epidemiologische Studie aufgefasst werden kann. Hierzu werden Menschen mit geistiger Behinderung, deren Betreuer bzw. Angehörige und Ärzte in den Städten Oberhausen, Witten und Solingen erhoben. Rekrutierungsort ist jeweils eine Werkstatt je Stadt, in der Menschen mit geistiger Behinderung beschäftigt sind.
Durch eine standardisierte Gesundheitsuntersuchung sollen aktuelle Diagnosen und ein eventuelles Diagnosedefizit erfasst werden. Diese standardisierte Untersuchung wird zufallsverteilt entweder in der Werkstatt („Aufsuchsystem“) durchgeführt oder nach Aufforderung beim Hausarzt („Regelsystem“).
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 181)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 181)
   Klinische Untersuchungen  (Stichprobengröße: 181)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 65 Jahre
Ergebnisse --

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 19.04.2017