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PaReSiS - Partizipatives Rehabilitationsprozessmanagement "Schlaganfall Sachsen-Anhalt"

 

Projektkennung VfD_PaReSiS_08_001689
Laufzeit von 04/2008 bis 09/2012
Webseitehttp://www.medizin.uni-halle.de/index.php?id=684
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Das Projekt verfolgt die Fragestellung, ob und in wie weit bei von Schlaganfall Betroffenen der Rehabilitaionsprozess nach Schlaganfall durch ein am individuellen Patientenbedarf ausgerichtes Versorgungsmanagement in der ambulanten Nachversorgung gesteuert werden kann. Insbesondere wird dabei geprüft, wie sich die Intervention auf die physische und kognitive Funktionsfähigkeit bei von Schlaganfallbetroffenen auswirkt.
Hintergrund / Ziele Bisherige Forschungen zur Betroffenenperspektive von Patienten und Rehabilitanden nach einem Schlaganfall zeigen, dass vor allem die Phase nach der Anschlussrehabilitation und die mögliche Rückkehr ins Alltags- und auch Arbeitsleben durch ein sehr uneinheitliches Bild gekennzeichnet ist (vgl. Zimmermann et al. 2006). Während konsekutive Therapien in manchen Fällen trotz bleibender Einschränkung nicht stattfinden, gelingt es anderen Rehabilitanden vor allem durch starke Unterstützung durch Hausarzt oder Familienmitglieder, eine kontinuierliche therapeutische Versorgung und berufliche Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben zu erhalten und für ihre Rehabilitation zu nutzen.Das Vorhaben prüft in einer randomisierten, kontrollierten Studie ein Case Management, das trägerübergreifend den Krankheits-, Behandlungs- und Rehabilitationsverlauf erfasst und die bedarfsgerechte, partizipative Fortsetzung des Rehabilitationsprozesses über die Anschlussrehabilitation hinaus zusammen mit den Betroffenen steuert. Patienten der Interventionsgruppe erhalten hierzu die Möglichkeit, aus dem Angebot eines Internetportals und einer telefonischen Hotline, von Einzelberatungen und Informationsveranstaltungen und der Wahrnehmung von Hausbesuchen gezielt und individuell nach eigenem Bedarf auszuwählen und bei der Nachsorge im fortlaufenden Rehabilitationsprozess Information und Unterstützung zu finden.
Methodik Die Untersuchung ist als randomisierte kontrollierte Studie angelegt mit validierendem qualitativen Arm. Dabei werden in der akutstationären Versorgung(t0), nach Abschluss der akutmedizinischen und rehabilitativen Versorgung (t1) und 12 Monate nach t1 mittels standardisierter Patientenbefragung Primärdaten erhoben. Primäre Zielgröße ist die körperliche Funktionsfähigkeit, die mit der physischen Domäne der Stroke Impact Scale 3.0 nach 12 Monaten erfasst wird. Sekundärzielgrößen sind Lebensqualität, Mortalität und Depressivität. Nach der Abschlusserhebung werden zur Validierung des Instrumentariums und der Varianzerfassung in beiden Gruppen qualitative Interviews mit den Betroffenen und/oder ihren Angehörigen durchgeführt.
Datenbasis Primärdaten
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 322)
Studiendesign Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 100 Jahre
Ergebnisse Es wurde untersucht, welchen Einfluss ein multimodales, patientenorientiertes Versorgungs¬management mit rehabilitativen Schwerpunkt auf die körperliche Funktionsfähigkeit von Patienten in der poststationären Phase nach Schlaganfall hat. Haupthypothese war, dass über strukturierte Beratung und Begleitung die Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung bedarfsgerecht optimierbar ist, woraus sich eine bessere Funktionsfähigkeit ergibt.
Methoden: In der randomisierten kontrollierten Studie stand den Interventionsteilnehmern zusätzlich zur Regelversorgung ein multimodales Versorgungsmanagement mit Case-Management-Ansatz ein Jahr nach Ende der stationären Behandlung zur Verfügung. Die Intervention beinhaltete persönliche, aufsuchende Beratung, telefonische Nachsorge/ Telefonhotline, Informations- und Schulungsveranstaltungen, ein Onlineportal sowie schriftliche Patienteninformationen. Alle Kontrollgruppenteilnehmer erhielten die Regelversorgung. Die Hauptzielgröße körperliche Funktionsfähigkeit wurde mit der Stroke Impact Scale 3.0 vor Interventionsbeginn und ein Jahr danach erfasst, ebenso die Nebenzielgrößen Lebensqualität (WHOQOL BREF), Depressivität (GDS), Mortalität, Reinfarkt und psychische Symptombelastung (SCL-90).
Ergebnisse: Zur Auswertung lagen Daten von 119 Interventionsteilnehmern und 111 Kontrollteilnehmern vor. Es zeigten sich zwischen den Gruppen keine Effekte in der körperlichen Funktionsfähigkeit. Gruppenunterschiede ergaben sich hinsichtlich der Sterblichkeit: Teilnehmer der Kontrollgruppe hatten ein 3,1-fach-erhöhtes Risiko (95 % CI 1,14; 8,33) zu versterben im Vergleich zur Interventionsgruppe. Weitere Nebenzielgrößen wiesen keine Interventionseffekte auf.
Schlussfolgerungen: Es kann davon ausgegangen werden, dass ein zusätzliches multimodales auf Beratung und Information basierendes Versorgungsmanagement mit rehabilitativer Ausrichtung keinen zusätzlichen Zuwachs an körperlicher Funktionsfähigkeit für Schlaganfallpatienten ermöglicht. Unter der Intervention war eine deutliche Senkung der Sterblichkeit zu verzeichnen, welche auf ein tertiärpräventives Potential der Intervention schließen lässt.
Schlagwörter: Schlaganfall, Nachsorge, Case Management, körperliche Funktionsfähigkeit, Mortalität

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 15.07.2016