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CARO-PRE-II - Wirksamkeit einer sektorenübergreifenden geschlechtsspezifischen Intervention zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens von KHK-RehabilitandInnen in der Phase-III-Rehabilitation

 

Projektkennung VfD_CARO-PRE-II_11_001773
Laufzeit von 01/2011 bis 03/2015
Webseitehttp://www.forschung-patientenorientierung.de/index.php/projekte/zweite-foerderphase/modul-eins-phase-2/caro-pre-ii-spyra.html
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Hat die Vereinbarung von Zielen innerhalb eines ärztlichen Entlassungsgespräches am Ende der Rehabilitationsmaßnahme und die Kontrolle der vereinbarten Ziele durch ein Gespräch mit einem Therapeuten oder Arzt drei Monate nach Beendigung der Rehabilitation einen positiven Einfluss auf das Gesundheitsverhalten und auf Outcome-Parameter für physiologische Schutz- und Risikofaktoren hat.
Hintergrund / Ziele Die Sekundärprävention von RehabilitandInnen mit einer Koronaren Herzkrankheit ist auf die nachhaltige Reduzierung des Risikos eines (weiteren) kardialen Ereignisses ausgerichtet. Eine der größten Herausforderungen der Phase II der kardiologischen Rehabilitation ist, dass erreichte Erfolge bei den Risikofaktoren verstetigt und nachhaltige Veränderungen im Gesundheitsverhalten der RehabilitandInnen initiiert werden. Zielvereinbarungen für die Phase III der Rehabilitation können dazu einen zentralen Beitrag leisten, indem Reha-ÄrztInnen sowie RehabilitandInnen Ziele sowohl für physiologische als auch für behaviorale Schutz- und Risikofaktoren vereinbaren und so die RehabilitandInnen in der Bildung und Verfestigung ihrer Intentionen unterstützen. Eine besondere Berücksichtigung sollten hierbei die unterschiedlichen Bedürfnisse und Erwartungen von Frauen und Männern finden. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel dieses Forschungsvorhabens die Entwicklung und Evaluation einer sektorenübergreifenden geschlechtsspezifischen Intervention, die zu einer Verbesserung des Gesundheitsverhaltens von KHK-RehabilitandInnen in der Phase-III-Rehabilitation führt. Zusätzlich wird eine Zielkontrollintervention in der ambulanten Nachsorge entwickelt und implementiert. Das Forschungsdesign ist als randomisierte kontrollierte Interventionsstudie mit Machbarkeitsphase konzipiert, der eine qualitative Untersuchung vorangestellt wird.
Methodik 1. Qualitative Untersuchung (Leitfadengestützte Interviews und
Gruppendiskussion mit Patienten, Experteninterviews)
2. Randomisierte kontrollierte Interventionsstudie
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 504)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 40)
   Gruppendiskussion/Fokusgruppe  (Stichprobengröße: 5)
Studiendesign Längsschnittstudie
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 80 Jahre
Ergebnisse Methode
Die vorliegende Studie wurde im Mixed-Method-Design durchgeführt. In der qualitativen Phase der Studie wurden 40 Patienteninterviews, 4 Gruppendiskussionen und 8 Experteninterviews mit Wissenschaftlern und Behandlern durchgeführt. Innerhalb der quantitativen Phase wurde eine randomisierte kontrollierte Interventionsstudie mit einem Mehrpunkterhebungsdesign (Beginn (T1) und Ende (T2) sowie sechs (T3) und zwölf Monate (T4) nach Abschluss der Rehabilita­tionsmaßnahme) durchgeführt.

Anhand der erhobenen Befragungsdaten sollte die entwickelte Intervention auf Wirksamkeit überprüft werden. Eingeschlossen wurden 545 Patienten, davon 262 (48,1%) weibliche und 283 (51,9%) männliche. Die Studienteilnehmer verteilten sich auf drei Gruppen: die Kontrollgruppe „KG“ (N=270), in der die Patienten „usual care“ erhielten, die Interventionskontrollgruppe „IGb“ (N=143), in der mit den Patienten am Reha-Ende ein Zielvereinbarungsgespräch geführt wurde und die Zielkontrollinterventionsgruppe „IGa“ (N=132), in der mit den Patienten ein Zielvereinbarungsgespräch am Reha-Ende und ein Zielkontrollgespräch drei Monate nach Reha-Ende geführt wurde.

Primäre Ziel­größe war die Erfassung des Gesundheitsver-haltens in der Phase-III-Rehabilitation, die durch die Bereiche Bewegung, Ernährung, Tabakkonsum, Medikamenteneinnahme und psychisches Wohlbefinden abgebildet wurden. Als sekundäre Outcome-Parameter wurden Werte für die physiologischen Schutz- und Risikofaktoren (Gesamt-, HDL- und LDL-Choleste­rin, Blutzucker, systolischer und diastolischer Blutdruck, Body-Mass-Index) er­hoben.

Neben der Durchführung deskriptiver Analysen wurde die Veränderung zwischen dem 1. und den späteren Messzeitpunkten im Rahmen eines single-indicator Latent-Change-Models durch verschiedene Kovariaten vorhergesagt. Zur detaillierten Analyse differentieller Veränderungen wurden Multigruppen-Modelle mit Geschlecht und Reha-Typ als Gruppierungsvariablen herangezogen.

Ergebnisse
Die Auswertung der Interviews, die innerhalb der qualitativen Studienphase mit Patienten und Experten geführt wurden, legte einen Unterstützungsbedarf bei weiblichen Rehabilitanden hinsichtlich ihrer körperlichen Aktivität und bei männlichen einer gesünderen Ernährungsweise nahe.

Bei der Analyse des quantitativen Studienteils konnte weder für die primären Zielgrößen für das Gesundheitsverhalten (Bewegung, Ernährung, Tabakkonsum) noch für die sekundären Outcome-Parameter (physiologische Schutz- und Risikofaktoren) Interventionseffekte nachgewiesen werden. Das Bewegungsverhalten berufstätiger Patienten nahm innerhalb des ersten halben Jahres nach Beginn der Reha-Maßnahme in allen drei Studiengruppen gleichsam zu, im Verlauf des zweiten halben Jahres jedoch wieder geringfügig ab.

Die Subgruppenanalyse zeigte positive Effekte bei berufstätigen Frauen und stationären Patienten, wobei sich die Teilnahme an einer Herzgruppe günstig auf die körperliche Aktivität im Alltag auswirkte. Von den nicht-Berufstätigen verbesserten männliche sowie ambulant behandelte Patienten ihr Bewegungsverhalten.

Das Ernährungsverhalten verbesserte sich über den gesamten Beobachtungszeitraum in allen drei Studiengruppen, Interventionseffekte waren nicht zu beobachten. Die schon zu Beginn der Reha-Maßnahme gesündere Ernährungsweise bei Frauen im Vergleich zu Männern zeigte sich auch im weiteren Zeitverlauf. Im Hinblick auf die Veränderung des Rauchstatus konnten aufgrund der geringen Fallzahl keine Modellberechnungen vorgenommen werden.

Deskriptive Analysen zeigten eine Reduzierung der Raucherquote von 12,4% zu T1 auf 8,6% zu T4. Eine Verbesserung des subjektiv wahrgenommenen Gesundheitszustands zeigte sich in der Interventionsgruppe IGb sowie bei ambulant behandelten Patienten zum Zeitpunkt T3. Keine Interventionseffekte waren hinsichtlich der Ausprägung von Angst und Depression sowie der Compliance für die Medikamenteneinnahme zu beobachten.

Bei den physiologischen Parametern systolischer und diastolischer Blutdruck, Nüchternblut-zucker, HbA1c, HDL-Cholesterin sowie beim Body-Mass-Index waren keine Interventions-effekte zu beobachten. Lediglich die Werte des Gesamtcholesterins und des LDL-Cholesterins lagen bei Patienten in der Interventionsgruppe IGa, die an einer ambulanten Rehabilitation teilgenommen hatten, zu T3 unter den Werten von stationären Rehabilitanden.

Fazit
Die Hinweise für die positiven Effekte im Bereich des Bewegungsverhaltens reichen für eine Empfehlung, Elemente der Interventionsmaßnahme in den Praxisalltag zu integrieren, nicht aus. Hierfür ist weitere Forschung, insbesondere zu den genderspezifischen Aspekten, notwendig.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 02.09.2016