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PräfCheck - Entwicklung und Testung eines hausärztlichen Gesprächsmoduls zur strukturierten Feststellung von Gesundheits- und Behandlungsprioritäten älterer Patienten zum Zwecke einer gemeinsamen patientenorientierten Behandlungsplanung

 

Projektkennung VfD_PräfCheck_08_001843
Laufzeit von 06/2008 bis 06/2011
Webseitehttp://www.mh-hannover.de/17923.html
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Entwickelt und getestet wurde ein neuartiges hausärztliches Gesprächsmodul für ältere Patienten mit chronischer Multimorbidität. Dieses basiert auf einer Bestandsaufnahme individueller Gesundheitsprobleme im Alter (STEP-Assessment). Das Gesprächsmodul hat zum Ziel, dass Hausarzt und Patient sich über die Wichtigkeit vorhandener Gesundheitsprobleme austauschen, um gemeinsam über Behandlungsprioritäten zu entscheiden. Es soll den Hausarzt darin unterstützen, Prioritäten für die Behandlungsplanung strukturiert zu erfassen und dabei patientenorientiert vorzugehen.
Nach der Entwicklung wurde die Effektivität des Gesprächsmoduls zur Prioritätensetzung in einer cluster randomisiert kontrollierten Studie getestet.Folgende zweiseitige Alternativ-Hypothese liegt zugrunde: Die Übereinstimmungsrate zur Wichtigkeit der Gesundheitsprobleme für
Hausärzte und Patienten, die ein Priorisierungsgespräch durchgeführt haben, unterscheidet sich von den Hausärzten und Patienten, die kein solches Gespräch durchgeführt haben.
Hintergrund / Ziele Der zunehmende Kostendruck im Gesundheitswesen wird vornehmlich der Alterung der Gesellschaft zugeschrieben. Es resultieren Rationierungsbemühungen, die vermehrt ältere Menschen treffen. Daher wird zunehmend gefordert, dass vorhandene Ressourcen effizient, transparent und fair eingesetzt werden.
Auch auf der Mikroebene der hausärztlichen Versorgung wird ein systematisches Behandlungsmodell im Alter benötigt. Im Kern geht es darum, Multimorbidität übersichtlich zu erfassen und durch eine partnerschaftliche Planung von prioritären Behandlungszielen patientenorientierte und effektive Behandlungen zu entwerfen.

Das Vorhaben soll grundlegende Erkenntnisse über Gesundheits- und Behandlungsprioritäten älterer multimorbider Patienten und ihrer Hausärzte liefern.
Das Projekt soll einen Versorgungsbeitrag zur Stärkung der Position älterer Menschen hinsichtlich Information und Mitsprache in komplexen Behandlungsabläufen leisten.
Methodik Qualitativer Teil A:
Ziel: Erkundung der Beweggründe für Relevanz und Behandlungspräferenzen vorliegender Gesundheitsprobleme und Entwicklung des Gesprächsmoduls (PräfCheck).
Methode: STEP-Assessment und anschließendes Leitfaden-Interview mit 35 älteren Patienten und ihren neun Hausärzten. Themen des Interviews waren: Gründe für die Wichtigkeitsbewertungen eines jeden vorliegenden Gesundheitsproblems, Patientenautonomie und Entscheidungsfindung.
Die Interviews wurden verbatim transkribiert und qualitativ inhaltsanalytisch nach Mayring ausgewertet. Mit den induktiv entwickelten Kategorien fanden weitere quantitative Auswertungen statt. Quantitativer Teil B:
Ziel: Testung des PräfChecks in einer cluster-randomisierten kontrollierten Interventionsstudie.
Methode: Alle Patienten erhielten das STEP-Assessment, um individuelle Gesundheitsprobleme festzustellen. Arzt und Patient in beiden Gruppen bewerteten unabhängig voneinander, ob jedes einzeln vorliegende Problem relevant ist. In der Interventionsgruppe folgte das gemeinsame Gesprächsmodul mit konsentierter Behandlungsplanung; in der Kontrollgruppe erfolgte die übliche Versorgung. Nach zwei Wochen wurden alle Ärzte und Patienten zu primären und sekundären Outcomes befragt. Primäres Outcome ist das Übereinstimmungsmaß zur Relevanz individueller Gesundheitsprobleme zwischen Arzt und Patient. Es wurde erwartet, dass in der Interventionsgruppe durch das Gesprächsmodul eine signifikant verbesserte Übereinstimmung der Relevanzbeurteilungen zu den einzelnen Gesundheitsproblemen erreicht wird. Sekundäre Outcomes bezogen sich patientenseitig auf Informiertheit, Bewertung der partizipativen Entscheidungsfindung, Zufriedenheit und gestärkter Umgang mit eigenen Problemen.
Qualitativer Teil C:
Ziel: Qualitätssicherung des PräfCheck-Moduls.
Methode: zwei Fokusgruppen (Patienten, Ärzte) zu ihrer Erfahrung und Bewertung des auf Prioritäten beruhenden Behandlungsplanungsgespräches.
Datenbasis Primärdaten
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 317)
   Untersuchungen  (Stichprobengröße: 317)
Studiendesign Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 70 bis 100 Jahre
Ergebnisse Zur Entwicklung und Testung des PräfCheckmoduls wurden eine explorative, deskriptive sowie eine interventionelle Primärerhebung durchgeführt.
In der explorativ deskriptiven querschnittlichen Studie mit zusätzlich qualitativen Interviews von Ärzten und Patienten wurden 9 Hausärzte und 35 Patienten zu den Hintergründen zur Wichtigkeitseinschätzung ihrer Gesundheitsprobleme befragt.
Die deskriptiv quantitative Analyse ergab, dass Hausärzte und Patienten in der Wichtigkeitsbeurteilung vorhandener Probleme wenig übereinstimmen.
Aus den qualitativen Analysen wurde deutlich, dass das gegenwärtige Krankheitserleben mit seinen Auswirkungen auf die emotionalle Betroffenheit und den Alltag eine entscheidende Rolle spielt. Coping -Strategien führen eher dazu, dass Patienten ihre Probleme nicht mehr so wichtig nehmen. Ärzte dagegen haben einen anderen Bewertungsmaßstab. Sie halten die (medizinischen) Probleme für relevant, die einer Therapie zugänglich sind oder solche (alltagsrelevanten), die Empathie hervorrufen. Unwichtige Probleme sind solche, die nicht in das hausärztliche Rollenverständnis fallen (eher soziale Probleme aber auch Hör- und Sehfunktion), Probleme, die bereits gut kontrolliert sind, und solche, die dem "normalen Altern" zuzuschreiben sind.
An der cluster randomisiert-kontrollierten Interventionsstudie nahmen 40 Hausärzte (21 Intervention, 19 Kontrolle) und 317 Patienten (174 Intervention, 143 Kontrolle) 2009/2010 teil. Die Patienten (durchschnittlich 61,5% weiblich, 77,2 Jahre) wiesen im Mittel 11,4 Gesundheitsprobleme auf. In der Interventionsgruppe wurden im Median fünf von zehn Problemen besprochen und zwei priorisiert. Für im Median 4 Probleme gab es eine Behandlungsplanung. In 20% aller priorisierten Probleme hatte sich der Patient durchgesetzt, weil nur er und nicht der Hausarzt diese Probleme zuvor als wichtig beurteilt hatte. Dabei handelte es sich eher um Probleme mit der Alltagsfunktion, mit dem sozialen Umfeld und um selbstgenannte (nicht im Assessment aufgetretene) Probleme. In weiteren 19% der priorisierten Probleme hatte sich auch der Arzt durchsetzen können - eher mit Themen wie Impfung, Medikation, Lifestyle. 86% aller priorisierten Probleme führten zu einer Behandlungsplanung im Gegensatz zu den nicht priorisierten Problemen (36%). Die Arzt-Patient-Übereinstimmung zur Wichtigkeit der Gesundheitsprobleme konnte jedoch durch das Priorisierungsgespräch nicht verbessert werden. Die Patienten der Interventionsgruppe fühlten sich zwar nach dem Gespräch informierter, hatten eher den Eindruck, dass ihre Perspektive eingeholt wurde, fühlten sich mehr in Entscheidungen eingebunden, waren eher bereit adhärent mit den gefällten Entscheidungen umzugehen, fühlten sich eher in der Selbstkompetenz gestärkt und waren insgesamt zufriedener; all diese Messungen sind jedoch nicht signifikant von der Kontrollgruppe unterschiedlich. Es handelt sich allenfalls um geringe Effekte.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 18.09.2012