[Zurück zur Trefferliste]

KAKo - Reha-Optimierung bei Patienten mit Polyarthritis oder Spondyloarthritis durch ein individuell vereinbartes Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining (KAKo-Training)

 

Projektkennung VfD_KAKo_08_001857
Laufzeit von 01/2008 bis 03/2011
Webseitehttp://www.forschung-patientenorientierung.de/index.php/projekte/erste-foerderphase/modul-zwei-phase-1/kako-training-mau.html
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Primäre Hypothese: Die Interventionsgruppe (IG) zeigt gegenüber der Kontrollgruppe (KG) im Ein‐Jahres‐Verlauf eine stärkere Verbesserung des körperlichen Teils der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (körperliche Summenskala des SF-36).
Nebenhypothesen: Die IG zeigt gegenüber der KG im Ein-Jahres-Verlauf eine verbesserte alltagsbezogene Funktionskapazität (FFbH-P+R), eine ausgeprägtere Schmerzreduktion (NRS), ausgeprägtere psychische Verbesserungen (HADS-D), mehr Alltags- und Trainingsaktivitäten (FFkA), eine verbesserte Motivation zu körperlicher Aktivität (Selbstwirksamkeit, Vor- und Nachteile körpelricher Aktivität), einen stärkeren Erhalt (bzw. Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit sowie geringere direkte und indirekte Krankheitskosten.
Hintergrund / Ziele Chronische Polyarthritiden (cP) und Spondyloarthritiden (SpA) sind die häufigsten chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mit hohem Risiko von Einschränkungen der Aktivität und Teilhabe einschließlich der Erwerbsminderung. Regelmäßige körperliche Aktivitäten (v. a. aerobes Kraft- und Ausdauertraining) gehen bei Patienten mit chronischen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen mit einer Vielzahl an gesundheitsbezogenen Verbesserungen einher. Dennoch ist ein inaktiver Lebensstil bei Personen mit Gelenkerkrankungen besonders verbreitet. Nachdem deren kurz- und mittelfristige Wirksamkeit nachgewiesen wurde, wurde die Rehabilitation in evidenzbasierte nationale und internationale Empfehlungen zum Krankheitsmanagement für entzündlich-rheumatische Erkrankungen aufgenommen. Zur Aufrechterhaltung der positiven Ergebnisse der Rehabilitation werden den Patienten neben der Verordnung bewegungsbezogener Nachsorgeleistungen im Anschluss an die Rehabilitation vor allem eigenständige körperliche Aktivitäten empfohlen. Da es vielen Rehabilitanden jedoch trotz bester Absichten nicht gelingt, ihre bewegungsbezogenen Pläne im Alltag umzusetzen, muss die Realisierung der Bewegungsaktivitäten nach der Rehabilitation gezielt unterstützt werden. Konzepte zur Motivationssteigerung und nachhaltigen Förderung körperlicher Bewegungsaktivitäten sind daher ein bedeutsamer Bestandteil von Rehabilitations- und Nachsorgemaßnahmen.
Vor diesem Hintergrund wurde eine prospektive multizentrische Studie mit sequenziellem Kontroll-/Interventionsgruppen-Design und einjähriger Verlaufsbeobachtung von Rehabilitanden mit cP oder SpA realisiert. Im Rahmen der stationären rheumatologischen Rehabilitation wurden die Patienten an intensives körperliches Training herangeführt. Damit wurde zusätzlich ihre sportbezogene Selbstwirksamkeit sowie die Aufnahme und langfristige Aufrechterhaltung eigenständiger körperlicher Aktivitäten im Alltag gefördert. Ziel des Projekts war die nachhaltige Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Dabei wurde in der Interventionsphase ein individuelles Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining (KAKo-Training) in das Programm der beteiligten rheumatologischen Rehabilitationsfachkliniken implementiert und während der dreiwöchigen stationären Rehabilitation durchgeführt. Es erfolgte in geschlossenen Gruppen mit systematischer Motivationsarbeit nach dem Transtheoretischen Modell der Verhaltensänderung. Im Rahmen einer partizipativen Versorgungsgestaltung wurde die Umsetzung von regelmäßigen Bewegungsaktivitäten nach der Rehabilitation in Wohnortnähe gemeinsam mit den Rehabilitanden vorbereitet und am Reha-Ende in einer Trainingsvereinbarung schriftlich fixiert. Ein zusätzlicher Impuls zur Umsetzung der geplanten Bewegungsaktivitäten erfolgte vier Wochen nach Entlassung durch eine kurze schriftliche bzw. telefonische Nachbefragung aus der Rehabilitationsklinik. Die im Mittelpunkt der Studie stehenden, gut informierten, motivierten und selbstkompetent handelnden Rehabilitanden wurden in den Kliniken von fachkundigen Therapeuten und nach Entlassung in Wohnortnähe von den Haus- und Fachärzten unterstützt, die dafür gezielt informiert wurden. Die Kontrollgruppe erhielt eine konventionelle rheumatologische Rehabilitation und anschließende Versorgung.
Realisierung, Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit des intensiven KAKo-Trainings mit systematischer Motivationsarbeit wurden prospektiv zum Reha-Ende (t2) sowie nach sechs (t4) und 12 Monaten (t5) gegenüber dem Ausgangszustand zu Reha-Beginn (t1)analysiert. Im Vergleich zur Kontrollgruppe (KG: n=156) wurden Verbesserungen der Interventionsgruppe (IG: n=151) bzgl. der Haupt- und Nebenzielgrößen untersucht.
Methodik Im Rahmen der kontrollierten, sequentiellen Studie wurden Rehabilitanden mit cP oder SpA im Rehazentrum Bad Eilsen und der Teufelsbad Fachklinik Blankenburg zu vier (Kontrollgruppe [KG]) bzw. fünf Messzeitpunkten (Interventionsgruppe [IG]) befragt. Von 555 vor Reha‐Antritt schriftlich über die Studie informierten Rehabilitanden konnten beim Aufnahmegespräch in den Kliniken insgesamt 392 Rehabilitanden (71 %) rekrutiert werden, von denen für 307 (78 %) Ein‐Jahres‐Verlaufsdaten (t5) vorliegen. Stichprobe zu t1: Alter 47 [± 8] Jahre, 62 % Frauen, 70 % cP, 30 % SpA, Krankheitsdauer 9 [± 8] Jahre, 85 % erwerbstätig in Voll‐ oder Teilzeit.

Im Vergleich zur Kontrollgruppe (KG: n=156) wurden Verbesserungen der Interventionsgruppe (IG: n=151) bzgl. der Hauptzielgröße sowie der Nebenzielgrößen untersucht. Als statistische Verfahren wurden Chi²- und t-Tests, Varianzanalysen mit Messwiederholung sowie multivariate Kovarianzanalysen eingesetzt.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: k.A.)
   Befragung telefonisch  (Stichprobengröße: k.A.)
Sekundärdaten
   Rentenversicherung  (Stichprobengröße: k.A.)
   Rehabilitationskliniken (KTL-Daten)  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Längsschnittstudie
Fall-Kontroll-Studie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 60 Jahre
Ergebnisse Zu Reha-Beginn (t1) bestanden keine wesentlichen Gruppenunterschiede in soziodemografischen, gesundheitsbezogenen, sozialmedizinischen oder aktivitätsbezogenen Merkmalen. Aufgrund des Studiendesigns absolvierte die IG ihre Rehabilitation lediglich häufiger in den Sommermonaten (April bis September) und die KG häufiger in den Wintermonaten (Oktober bis März).

Am Reha-Ende (t2) waren in beiden Gruppen die nach stationärer Rehabilitation typischen Verbesserungen gegenüber t1 in allen untersuchten gesundheitsbezogenen und motivationalen Merkmalen zu beobachten. Die sportbezogene Selbstwirksamkeit der IG verbesserte sich zum Ende der Reha stärker als die der KG und die Entscheidungsbalance bzgl. körperlicher Aktivität entwickelte sich in der IG ebenfalls positiver (v. a. verringerte Wahrnehmung organisatorischer Hindernisse). Weiterhin wurden die Behandlungen während der Rehabilitation sowie die Vorbereitung auf die Zeit danach von den Teilnehmern der IG (noch) positiver eingeschätzt als von Teilnehmern der KG. Anzeichen für eine deutliche Überlastung zeigten sich in keiner der beiden Gruppen. Die Analyse der KTL-Daten der Kliniken bestätigte eine deutliche Verschiebung der Therapieinhalte in der IG hin zu mehr Sport- und Bewegungstherapien und zeigte einen zeitlich etwas höheren Therapieumfang in der IG, der in multivariaten Analysen berücksichtigt wurde.

Im Ein-Jahres-Verlauf nach Reha-Ende (t5) konnte zwar für die körperliche Summenskala des SF-36 als Hauptzielgröße eine Verbesserung bei allen Rehabilitanden nachgewiesen werden (am deutlichsten zu t2 bzw. t4), aber keine Überlegenheit der IG im Vergleich zur KG.
In den Nebenzielgrößen waren allerdings verschiedene Vorteile der IG festzustellen: Die Teilnehmer der IG berichteten gegenüber der KG hypothesenkonform vermehrte körperliche Alltagsaktivitäten. Dieser Effekt blieb nach Kontrolle zuvor identifizierter Einflussvariablen tendenziell bestehen. Die Teilnehmer der IG hatten zu t5 zudem eine größere Chance, Empfehlungen zu körperlichen Aktivitäten zu erfüllen als Teilnehmer der KG. Eine weitere hypothesenkonforme Verbesserung der IG gegenüber der KG zur 12-Monats-Katamnese betraf die indirekten Kosten. Dieser Effekt war jedoch nur noch sehr schwach erkennbar, nachdem für signifikante Einflussgrößen kontrolliert wurde.
Gruppenübergreifende Verbesserungen in KG und IG traten im Ein-Jahres-Verlauf bei den Schmerzen und dem psychischen Wohlbefinden (psychische Summenskala des SF-36; Ängstlichkeit und Depressivität) sowie hinsichtlich der Trainings- und Gesamtaktivitäten sowie bei der sportbezogenen Selbstwirksamkeit auf. Die indirekten Krankheitskosten insgesamt sowie die indirekten Kosten aufgrund von Arbeitsausfällen wegen Arbeitsunfähigkeitszeiten und Erwerbsminderungsrenten stiegen in beiden Gruppen an.
Keine langfristigen Veränderungen waren im Bereich der alltagsbezogenen Funktionskapazität nach dem Funktionsfragebogen Hannover, der Erwerbstätigkeit und der direkten Krankheitskosten festzustellen.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 27.08.2014