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boRN - Gestufte bewegungsorientierte Rehabilitation und Nachsorge bei Patienten mit entzündlichen und nicht-entzündlichen Erkrankungen des Bewegungssystems

 

Projektkennung VfD_boRN_10_001864
Laufzeit von 12/2010 bis 12/2013
Webseitehttp://www.forschung-patientenorientierung.de/index.php/projekte/zweite-foerderphase/modul-zwei-phase-2/born-mau.html
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Primäre Hypothese: Die Interventionsgruppe (IG) zeigt gegenüber der Kontrollgruppe (KG) im Ein-Jahres-Verlauf eine verbesserte körperliche Funktion als Teil der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (körperliche Rollenfunktion des SF-36).
Nebenhypothesen: Die IG zeigt gegenüber der KG im Ein-Jahres-Verlauf eine verbesserte Bewegungsaktivität, eine geringere Schmerzintensität, weniger psychische / motivationale Hindernisse sowie einen besseren sozialmedizinischen Verlauf.
Hintergrund / Ziele Mit einem Anteil von einem Drittel (stationär) bzw. zwei Dritteln (teilstationär) sind muskuloskelettale Erkrankungen aktuell der häufigste Grund für medizinische Rehabilitationsmaßnahmen unter Trägerschaft der Deutschen Rentenversicherung, darunter am häufigsten aufgrund chronischer nicht-entzündlicher Rückenschmerzen (RS). Ebenso wie die häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, chronische Polyarthritiden (cP) und Spondyloarthritiden (SpA), geht eine solche Diagnose häufig mit massiven Einschränkungen der körperlichen und psychischen Gesundheit einher. Chronische Schmerzen und teilweise gravierende Funktionseinschränkungen führen zu einer verminderten Lebensqualität, die sich in vielen Lebensbereichen widerspiegelt. Eine frühzeitige Diagnose und adäquate medizinische Versorgung (u. a. Medikation) sind von großer Wichtigkeit, um einer Chronifizierung (RS) und/oder einem Fortschreiten der Erkrankung (cP/SpA) vorzubeugen. Aktivierende bewegungstherapeutische Elemente sind wichtige Interventionen, um die Betroffenen mit oftmals inaktivem Lebensstil bei einer aktiven, gesünderen Alltagsgestaltung zu unterstützen. Dabei soll die (Bewegungs-)Therapie speziell auf die Bedürfnisse der Rehabilitanden abgestimmt werden und sie an vielfältige Sport- und Bewegungsformen heranführen. Studien zeigten bislang jedoch meist nur kurz- bis mittelfristige positive Effekte der medizinischen Rehabilitation. Motivierende Interventionselemente sollen die Rehabilitanden auch nach ihrer Entlassung bei der Umsetzung und Aufrechterhaltung ihrer Bewegungsaktivitäten unterstützen. Die kontinuierliche Weiterbetreuung der Rehabilitanden über den Klinikaufenthalt hinaus und der Einsatz neuer Medien zur Aufrechterhaltung des Kontaktes zu den Rehabilitanden haben in neueren Studien bereits erste vielversprechende Erfolge gezeigt.

Fragestellungen:
Können intensivierte leistungsgestufte bewegungstherapeutische Einheiten mit systematischer Motivationsarbeit in der stationären Rehabilitation und kontinuierlicher Nachbetreuung nach Reha-Ende dazu beitragen, die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie die körperliche und psychische Gesundheit bei Rehabilitanden mit den häufigsten entzündlichen und nicht-entzündlichen Erkrankungen des Bewegungsapparates langfristig zu verbessern? Kann deren Motivation zu und Umsetzung von körperlichen Aktivitäten langfristig gefördert und der sozialmedizinische Verlauf verbessert werden?
Methodik Bei der boRN-Studie handelte es sich um eine multizentrische Interventionsstudie mit Verlaufsbeobachtungen über ein Jahr zur partizipativen Gestaltung der bewegungsorientierten muskuloskelettalen Rehabilitation und Nachsorge zwischen den Rehabilitanden und dem Reha-Team unter Einbezug der weiterbehandelnden Haus- und Fachärzte. Die Probanden mit chronischen Rückenschmerzen (RS), chronischen Polyarthritiden (cP) oder Spondyloarthritiden (SpA) im erwerbsfähigen Alter (18 bis 65 Jahre) wurden zu vier Messzeitpunkten (t1=Reha-Beginn, t2=Reha-Ende, t3=sechs Monate nach Reha-Ende, t4=12 Monate nach Reha-Ende) schriftlich befragt.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 446)
   Befragung telefonisch  (Stichprobengröße: 134)
   Screening der körperlichen Leistungsfähigkeit  (Stichprobengröße: 180)
   Trainingsvereinbarungen  (Stichprobengröße: 172)
   Antworten auf Nachsorgeimpulse  (Stichprobengröße: 154)
Sekundärdaten
   Kooperationskliniken (KTL-Daten)  (Stichprobengröße: 440)
Studiendesign Längsschnittstudie
Fall-Kontroll-Studie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 65 Jahre
Ergebnisse Von den 446 Rehabilitanden der Endstichprobe wurden 266 in der Kontrollphase und 180 in der Interventionsphase der Studie rekrutiert (Plan pro Gruppe: n=220). Das Durchschnittsalter lag bei 50 [±7] Jahren, 52 % waren Männer, 99 % mit deutscher Staatsbürgerschaft. Die Hauptdiagnosen verteilten sich zu 61 % auf RS, 28 % cP und 11 % SpA; in 97 % der Fälle absolvierten die Probanden eine stationäre und in 3 % eine ganztags ambulante Rehabilitation. Die Teilnehmer der IG absolvierten die Rehabilitation häufiger in den Sommermonaten (88 %) als die Teilnehmer der KG (71 %).

Aufgrund der Ergebnisse des 60-minütigen Gruppenbelastungstests wurden 73 IG-Teilnehmer einer moderaten und 107 IG-Teilnehmer einer intensiven Trainingsgruppe zugewiesen. Das Zirkeltraining als Hauptteil der acht boRN-Trainingseinheiten wurde für beide Gruppen unterschiedlich intensiv durchgeführt. Sowohl der Belastungstest als auch die geschlossenen, diagnosegemischten Gruppen mit integrierter Motivationsarbeit wurden von Probanden und Testleitern überwiegend positiv bewertet.

Am Reha-Ende hatten sich alle Studienteilnehmer sowohl in gesundheitsbezogenen als motivationalen Merkmalen deutlich verbessert (gesundheitsbezogene Lebensqualität [SF-12], motorischer Funktionsstatus [FFB-Mot], Schmerzen [NRS], Morgensteifheit [NRS], Erschöpfung [NRS], Ängstlichkeit und Depressivität [HADS-D], Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit [NRS], wahrgenommene Vorteile [HAPA] und Ressourcen körperlicher Aktivität [FEG], Selbstwirksamkeitserwartungen [HAPA], Verhaltensänderungsplanung [HAPA], bewegungsbezogene Veränderungswünsche [FEG]). Während die Teilnehmer der KG zu t2 stärker reduzierte Schmerzen und Erschöpfung im Vergleich zur IG angaben, berichtete die IG zu t2 eine deutlichere Steigerung ihrer Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit. Die IG hatte sich zudem hinsichtlich ihrer Selbstwirksamkeitserwartungen zu t2 stärker verbessert als die KG. Die Reha-Evaluation fiel insgesamt positiv aus. Die Teilnehmer der IG fühlten sich zudem besser auf die Zeit nach der Rehabilitationsmaßnahme vorbereitet als Teilnehmer der KG.

Für die Nachsorgeimpulse hatte sich jeweils die Hälfte der IG-Teilnehmer für neue (SMS/E-Mail) bzw. klassische Kommunikationsmedien (Telefon/Brief) entschieden. Die meisten Studienteilnehmer fanden die Nachsorgeimpulse hilfreich, deren Frequenz genau richtig und die Möglichkeit zu antworten unproblematisch.

Im Ein-Jahres-Verlauf zeigten sich noch immer starke gesundheitsbezogene Verbesserungen aller Studienteilnehmer im Vergleich zu t1. Dies betraf insbesondere die enorme Steigerung der körperlichen Rollenfunktion (Hauptzielgröße) zu t4. Weitere Verbesserungen im Zeitverlauf zeigten sich für die gesundheitsbezogene Lebensqualität (körperliche und psychische Summenskala des SF-12), die berichteten Schmerzen (NRS) und Einschränkungen der Teilhabe (IMET).
Keine Veränderungen im Zeitverlauf zeigten sich für die berichtete Morgensteifheit, die Erschöpfung/Müdigkeit, den motorischen Funktionsstatus oder die Depressivität und Ängstlichkeit, den sozialmedizinischen Verlauf (Erwerbstätigkeit, Rentenintention, AU-Zeiten) und sämtliche motivationale Merkmale der Probanden.
Die 12-Monats-Katamnese zeigte eine tendenzielle Verschlechterung der körperlichen Gesamtaktivitäten. Während sich die Freizeitaktivitäten signifikant um 1,5 Stunden pro Woche verringerten, erreichten weder die Aktivitätsverminderung im Alltag um 1,25 Stunden pro Woche noch die leichte Steigerung der Sportaktivitäten um etwas mehr als 0,5 Stunden pro Woche statistische Signifikanz. Die signifikant stärkere Verbesserung der KG hinsichtlich ihrer sportlichen Aktivitäten zu t4 resultierte u. a. aus deren schlechterer bzw. inaktiverer Ausgangslage, die ihr im Vergleich zur IG im Ein-Jahres-Verlauf mehr Raum zur Verbesserung ließ.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 28.08.2014